Geschwister im Kreißsaal
Wissenswerte Antworten zum Thema Familie im Kreißsaal
Es gibt viele Anlässe, zu denen sich die Familie mit Kind und Kegel versammelt. Bei manchen gehört die Geburt eines neuen Geschwisterchens dazu.
„Auf keinen Fall mit Kindern!“, ist die Reaktion vieler werdender Eltern. „Das ist doch das Natürlichste der Welt“, halten Andere dagegen und wollen bei diesem wichtigen Moment kein enges Familienmitglied ausschließen. Grundsätzlich sollte man sich einige Gedanken machen, damit eine Geburt im Kreise seiner Liebsten ein schönes Erlebnis werden kann, mahnen Hebammen. Unter Wehen lassen sich nämlich meist keine guten Entscheidungen mehr treffen. Ein guter Plan ist dann Gold wert.
Die meisten Geburtsmediziner reagieren nach wie vor zurückhaltend, wenn es darum geht, Geschwister mit in den Kreißsaal zu nehmen. Zum einen, weil eine Geburt sogar die stärksten Männer umhauen kann und die Kinder die Schmerzen ihrer Mutter hautnah miterleben. Zum anderen, weil sie Neugeborene vor ansteckenden Kinderkrankheiten schützen wollen. Und wie fühlt sich das Kind, wenn es doch hinausgeschickt wird, weil die Gebärende mehr Ruhe braucht oder es zu Komplikationen kommt?
In vielen Kliniken ist es schlichtweg gar nicht erlaubt, Geschwisterkinder in den Kreißsaal mitzunehmen. Informationen über die jeweiligen Gegebenheiten und Regelungen vor Ort erhält man beim Kreißsaalpersonal des Krankenhauses. Mehr Optionen, Geschwisterkinder mitzubringen, bieten meist Geburtshäuser. Am einfachsten ist eine Geburt in Anwesenheit von Geschwisterkindern zu Hause. Hier kann sich die zukünftige große Schwester oder der bald größere Bruder besonders einfach in einen anderen, noch dazu vertrauten Raum zurückziehen, spielen, essen, schlafen. Denn manchmal behagt Kindern die Situation nicht oder die Geburt ist gerade langweilig, weil nichts passiert. Unabhängig von der Wahl des Geburtsortes erfordert die Präsenz von Geschwistern immer eine gute Vorbereitung auf das Erlebnis Geburt. Gerade jüngere Kinder müssen lernen, warum Mama sich so anders verhält, vielleicht stöhnt oder gar schreit. Geeignete Kinderbücher können hier eine gute Unterstützung bieten.
Ein Tipp einer Hebamme: Man kann die Geburt mit einer mühsamen Arbeit vergleichen, bei der man ja auch mal seufzt oder stöhnt, weil man sich anstrengt.
Ob das Kind mit in den Kreißsaal kommt oder nicht: Ganz wichtig ist die Organisation einer vertrauten Bezugsperson, die sich vor, während und nach der Geburt um das Kind sorgt. Vor allem auch für den Fall von - zum Glück – selten auftretenden Komplikationen. Oder wenn die Verlegung in ein Krankenhaus nötig wird. Da gerade in solchen Ausnahmesituationen die Doppelrolle Papa/Partner schwierig zu erfüllen ist, sollte die Betreuungsperson für das Geschwisterchen am besten nicht der Vater sein. Weil man ja meistens nicht weiß, wann es tatsächlich losgeht, ist die Betreuung der Kinder möglichst in Rufbereitschaft. Und auch das Kind weiß am besten vorab, dass sich Oma, Freund oder Nachbarin kümmern.
Artikel von Katja von Wintzingerode