Bitte ernst nehmen! - Beckenbodentraining nach der Geburt

Warum man unbedingt nach der Geburt mit dem Beckenbodentraining beginnen sollte

© Kzenon

Halten, tragen, verschließen, öffnen, lockerlassen. Solange der Beckenboden seine Arbeit zuverlässig verrichtet, schenken wir ihm wenig Aufmerksamkeit.

Er stützt die inneren Organe, kontrolliert die Schließmuskeln von Blase und Darm und macht eine erfüllte Sexualität erst möglich. Schwangerschaft und Geburt aber nehmen den aus Muskelschichten, Bändern und Bindegewebe bestehenden Boden der Beckenhöhle arg mit. Er muss das Gewicht der vergrößerten Gebärmutter samt Baby, Plazenta und Fruchtwasser verkraften und eine starke Dehnung während der Geburt über sich ergehen lassen. Damit der Beckenboden wieder fit für seine wichtigen Aufgaben wird, braucht er nach der Entbindung aktive Unterstützung. 

Beckenbodenfreundlich bewegen

Während sich die Gebärmutter nach der Schwangerschaft von selbst auf ihre ursprüngliche Größe zusammenzieht, sind Beckenboden und Bauchmuskulatur auf Hilfe angewiesen. Die gute Nachricht: das erste Beckenbodentraining findet zunächst ganz ohne Anstrengung statt: schon das Atmen, Aufstehen, Hinsetzen, Hinlegen und Gehen trainiert Muskeln und Bindegewebe ein wenig. Ohnehin sollte im Wochenbett der Fokus auch beim Beckenboden auf Erholung und Entlastung liegen. Hebamme oder Physiotherapeut erklären nach der Geburt, wie sich die junge Mutter im Alltag beckenbodenfreundlich bewegen kann und zeigen erste, behutsame Übungen zur Wahrnehmung des Beckenbodens. Viele Frauen müssen dabei diesen wichtigen Muskel erst einmal wiederfinden. So können die Anstrengungen der Geburt und Verletzungen ein anfängliches Taubheitsgefühl auslösen. In der Regel braucht es ein paar Monate, bis der Beckenboden zu seiner alten Stärke zurückgekehrt ist. 

Schweres Heben ist tabu

Möglichst wenige negative Belastungen in der Regenerationszeit wirken sich günstig auf den Rückbildungsprozess des Beckenbodens aus. Für das Aufstehen, Baby tragen, ältere Geschwister hochheben gibt es beckenbodenschonende Tipps von der Hebamme. Zum Beispiel: nur so viel heben wie das Baby wiegt! Frühestens sechs bis acht Wochen nach der Geburt kann mit einem Rückbildungskurs in einer Hebammenpraxis, im Geburtshaus, in der Geburtsklinik oder bei der Physiotherapeutin gestartet werden. Frauen mit Kaiserschnitt sollten erst beginnen, wenn die Wunde gut verheilt ist und die Naht nicht mehr schmerzt. Die Krankenkassen bezahlen in der Regel zehn Einheiten, wenn der Kurs bis spätestens neun Monate nach der Entbindung abgeschlossen ist. Meistens kann das Baby mitgebracht werden. 

Rückbildung ernst nehmen  

Für jede frischgebackene Mutter sollte ein Rückbildungskurs zu den Pflichtterminen gehören. Denn mit den Übungen lassen sich Inkontinenz, eine Gebärmutter- oder Blasensenkung sowie Rücken- und Beckenschmerzen vorbeugen. Das Training stärkt den in Mitleidenschaft gezogenen Beckenboden, aber auch Bauch- und Rückenmuskulatur und fördert eine gesunde Körperhaltung. Die meisten Programme bieten außerdem eine gute Mischung aus Training und Entspannung und ermöglichen den Austausch mit anderen Neu-Mamis. Eine kompetente und persönliche Anleitung motiviert die Kursbesucher und garantiert den Erfolg der Rückbildung. Die erlernten Übungen können dann zuhause jeden Tag für ein paar Minuten durchgeführt werden. Belastende Sportarten wie Joggen oder Tennis sollte man erst einmal zugunsten von Pilates, Walking, Schwimmen, Skating oder Radfahren aufgeben. Übrigens: Es ist nie zu spät, mit dem Training zu starten! Denn auch der Beckenbodenmuskel lässt sich das ganze Leben lang stärken. 


Artikel von Katja von Wintzingerode


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