Ausbau der Ganztagsbetreuung: Bericht der Bundesregierung zeigt Fortschritte
Das Bundeskabinett hat den zweiten Bericht der Bundesregierung über den Ausbaustand der ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder beschlossen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Ganztagsausbau voranschreitet. Rund 1,8 Millionen Kinder im Grundschulalter nutzen derzeit ein schulisches Ganztagsangebot oder eine Tageseinrichtung (Hort) – ein Plus von 130.000 Kindern im Vergleich zum Vorjahr.
Steigende Zahl der Ganztagsgrundschulen in Deutschland
Die Zahl der Ganztagsgrundschulen wächst kontinuierlich: Mittlerweile sind 73 Prozent aller Grundschulen ganztägig organisiert. Diese Entwicklung unterstreicht das Engagement von Bund, Ländern und Kommunen, den Ausbau voranzutreiben und flächendeckend Ganztagsangebote bereitzustellen.
Ganztagsbetreuung als Lebensort für Kinder
Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, betont die Bedeutung von Ganztagsangeboten:
„Der Ganztag wird zu einem Lebensort für Kinder, an dem sie spielen, wachsen und sich entfalten können. Gleichzeitig können diese Angebote soziale Unterschiede ausgleichen und gerechte Bildungschancen schaffen.“
Darüber hinaus fördert der Ausbau die Erwerbstätigkeit von Eltern, insbesondere von Müttern, was angesichts des Fachkräftemangels einen positiven Effekt auf den Wirtschaftsstandort Deutschland hat.
Qualität der Ganztagsangebote als entscheidender Faktor
Bundesbildungsminister Cem Özdemir hebt hervor, dass gute Ganztagsbetreuung bessere Bildung und mehr Chancengleichheit ermöglicht. Er fordert, dass Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und Schulsozialarbeiter gemeinsam hochwertige Ganztagskonzepte entwickeln. Gleichzeitig müsse der Fachkräftenachwuchs gestärkt werden, um diese Konzepte umzusetzen. Özdemir betont: „Gute Ganztagsangebote sind eine Investition in unsere Kinder und in die Zukunft unseres Landes.“
Prognose: Bedarf an zusätzlichen Plätzen
Um den künftigen Bedarf zu decken, wurden zwei Szenarien entwickelt:
- Konstante Nachfrage: Es werden 271.000 zusätzliche Plätze benötigt.
- Steigende Nachfrage: Der Bedarf steigt auf 413.000 zusätzliche Plätze.
Der durchschnittliche Ausbaubedarf liegt bei rund 342.000 zusätzlichen Plätzen, wobei westdeutsche Flächenländer den größten Bedarf haben. In den ostdeutschen Ländern ist der Ausbaubedarf geringer, da hier bereits ein breites Betreuungsangebot besteht.
Finanzielle Unterstützung durch den Bund
Die Bundesregierung stellt insgesamt 3,5 Milliarden Euro für den Ausbau der kommunalen Bildungsinfrastruktur bereit. Ab 2026 entlastet der Bund die Länder schrittweise durch angepasste Umsatzsteueranteile, wodurch bis 2029 insgesamt 2,48 Milliarden Euro und ab 2030 jährlich 1,3 Milliarden Euro dauerhaft zur Verfügung stehen.
Hintergrund: Berichtspflicht und gesetzliche Grundlagen
Gemäß Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) legt die Bundesregierung dem Deutschen Bundestag jährlich einen Bericht über den Ausbaustand vor. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) arbeiten hierfür eng zusammen. Eine gemeinsame Geschäftsstelle koordiniert den Ausbau der Ganztagsangebote.
Fazit: Ganztagsbetreuung als Schlüssel zu Chancengleichheit und Zukunftssicherung
Die Ergebnisse des Berichts zeigen deutliche Fortschritte im Ausbau der Ganztagsbetreuung. Ziel bleibt es, allen Kindern gerechte Bildungschancen zu bieten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu verbessern. Mit zusätzlichen Investitionen und gezieltem Fachkräftemanagement setzt die Bundesregierung einen wichtigen Impuls für die Zukunftsfähigkeit des Bildungsstandorts Deutschland.