Kita-Platz gesucht: Warum der Wohnort den Ausschlag geben kann

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Ein Platz in der Kita schafft nicht nur den Zugang zu früher Bildung, sondern ermöglicht vielen Eltern auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Kita ist praktisch der Schlüssel zur Chancengleichheit für alle Kinder. Doch obwohl der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr bereits seit 2013 besteht, sieht die Realität vieler Familien anders aus: Lange Wartelisten, frustrierende Suche und regionale Engpässen.

Große Unterschiede zwischen den Städten

Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung zeigt, wie ungleich die Kita-Versorgung in deutschen Großstädten tatsächlich ist. 54 Städte wurden analysiert – unter Berücksichtigung von Faktoren wie Erreichbarkeit, Bevölkerungsstruktur und der sozialen Lage einzelner Stadtteile.

Besonders gut schneidet Heidelberg ab. Dort kommen auf eine erreichbare Kita im Schnitt nur 61 Kinder unter sechs Jahren. Auch Ulm (71) und Frankfurt am Main (72) liegen weit vorn. Im Gegensatz dazu ist die Versorgungslage in Teilen des Ruhrgebiets besonders angespannt: In Krefeld etwa teilen sich durchschnittlich 166 Kinder eine Kita, in Gelsenkirchen 165.

Innerstädtische Schieflagen

Nicht nur zwischen den Städten, auch innerhalb einzelner Kommunen zeigen sich teils gravierende Unterschiede. Während wohlhabende Stadtviertel deutlich besser ausgestattet sind, fehlt es in einkommensschwachen Quartieren oft an ausreichend Plätzen.

Öffentliche Kitas sind dabei relativ gleichmäßig verteilt – die Differenz entsteht vor allem durch Einrichtungen in freier Trägerschaft, also zum Beispiel von kirchlichen oder gemeinnützigen Trägern. Diese konzentrieren sich deutlich stärker auf besser gestellte Wohnlagen. In sozialen Brennpunkten dagegen fehlen sie häufig.

Wenn soziale Herkunft über Bildungschancen entscheidet

Experten kritisieren, dass gerade dort, wo frühkindliche Förderung besonders gebraucht wird, das Angebot am dünnsten ist. In Westdeutschland werde diese Lücke zwar etwas durch mehr öffentliche Kitas in benachteiligten Vierteln abgefedert – dennoch reiche das nicht aus, um die Bildungsungleichheit auszugleichen.

IW-Ökonomin Melinda Fremerey fasst zusammen: „Dort, wo frühkindliche Bildung am dringendsten gebraucht wird und am meisten hilft, ist sie am rarsten.“ Und Matthias Diermeier, Co-Autor der Studie, ergänzt: „Die enorme Ausweitung an Kita-Betreuungsinfrastruktur hat uns dem Versprechen gleicher Bildungschancen nicht nähergebracht.“

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