Krank? Dann mit dem Avatar ins Klassenzimmer

Medienzentrum sorgt für Unterstützung

© Hillbrecht-LRA

Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen/Gaißach ermöglicht ein Avatar Schulerlebnisse für kranke Jugendliche.

Der 14-jährige Leonard Berger hat es mit einer Krebsdiagnose nicht leicht gehabt. Neun Monate lang musste er in Isolation verbringen, aber trotz allem hat er seinen Optimismus nie verloren. Ein wichtiger Faktor dafür war ein Avatar, der ihm eine Verbindung zum Klassenzimmer ermöglichte. Dank des "Avatar AV1", bereitgestellt vom Medienzentrum des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, konnte der Achtklässler einen Teil seines Alltags aufrechterhalten - die Schule.

Leonards Lehrerin, Cornelia Brust, bringt die Bedeutung des Avatars für den Jungen, der erst seit den Osterferien wieder am Unterricht teilnimmt, auf den Punkt: "Es fühlte sich an, als wäre er nie weg gewesen. Wir wussten immer alle, wie es ihm geht." Der Avatar fungierte als Bindeglied zwischen dem regulären Schulalltag und dem Alltag eines kranken Kindes, für das jeder Infekt ein Risiko darstellt und das lange Behandlungen bewältigen muss. Leonards Geschichte zeigt, dass dies keine Utopie, sondern eine positive Realität im Klassen- und Kinderzimmer sein kann.

Im September präsentierte Claudia Zacherl vom Medienzentrum den Avatar auf einer Schulleiter-Konferenz, woraufhin sich Stephanie Eckert, die Rektorin der Grund- und Mittelschule Gaißach, sofort meldete, da sie ein Kind an ihrer Schule hatte, das darauf angewiesen war. Sowohl die Schulleiterin als auch die Klassenlehrerin Cornelia Brust waren offen für diese Technologie, die eine Grundvoraussetzung dafür war, dass dieses Hilfsmittel überhaupt funktionieren konnte. Cornelia Brust integrierte den Avatar ins Klassenzimmer, und Leonhards bester Freund kümmerte sich darum, dass der Avatar immer an seinem Platz für den Achtklässler bereitstand, aufgeladen war und überall mit dabei war - selbst beim Sportunterricht oder dem Projekt "Musik an Mittelschulen". Beim Konzert wurde sogar ein Stück speziell für Leonard gespielt. So konnte er, soweit es seine Behandlung und sein Gesundheitszustand zuließen, im Klassenzimmer dabei sein, mitlachen, sich aufregen, begeistern und auch mal genervt sein - und natürlich lernen. Die Tatsache, dass er seine sozialen Kontakte aufrechterhalten und überall dabei sein konnte, sei es im Unterricht oder in den Pausen, war ein großer Pluspunkt. Natürlich war es Voraussetzung, dass Leonard sich von zuhause aus einloggen konnte, da er im Krankenhauszimmer nicht immer allein war und aus Datenschutzgründen nicht am Unterricht teilnehmen durfte.

Der Avatar war ein Baustein, der Leonard half, die dreivierteljährige Isolation zu überstehen. Leonard hat nie seinen Optimismus verloren und sagt sogar: "Das ist wie eine Grippe, da muss ich durch." Seine Mutter Jennifer erlebte ihn stets gut gelaunt und positiv. Dennoch ist der Avatar natürlich kein vollwertiger Ersatz, denn den Unterricht selbst zu erleben und mitzugestalten, ist allemal besser, als zuhause zu sitzen. Dennoch würde Leonard den Avatar als Brücke ins Klassenzimmer immer wieder nutzen.

Das Medienzentrum ist jedenfalls froh, einen Avatar zu haben. So froh, dass ein zweiter angeschafft wurde - damit Kinder und Jugendliche am Schulalltag teilhaben können, selbst wenn ihnen wie im Fall von Leonard ihr Körper stark zu schaffen macht.

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