Studie: Menschen über 76 fühlen sich weniger einsam als Berufstätige in der Lebensmitte
Eine neue Studie zeigt: Menschen zwischen 43 und 55 fühlen sich besonders häufig einsam, während Seniorinnen und Senioren ab 76 überraschend oft von stabilen sozialen Netzwerken profitieren.
Ältere Menschen ab 76 Jahren fühlen sich im Durchschnitt weniger einsam als viele Jüngere im erwerbsfähigen Alter. Das geht aus dem aktuellen Deutschen Alterssurvey hervor, den das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums ausgewertet hat.
Die repräsentative Studie zeigt, dass Alter, Einkommen und Erwerbstätigkeit entscheidende Einflussfaktoren für das Einsamkeitsempfinden sind. Etwa jede elfte befragte Person ab 43 Jahren gab an, sich "sehr einsam" zu fühlen, besonders betroffen ist laut der Auswertung die Altersgruppe der 43- bis 55-Jährigen. Menschen ab 76 hingegen fühlen sich im Schnitt weniger einsam.
Einen großen Einfluss hat dabei der sozioökonomische Status. Wer als armutsgefährdet gilt oder keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, fühlt sich deutlich häufiger einsam, allerdings nur im Erwerbsalter zwischen 43 und 65 Jahren. Ab 66, dem typischen Ruhestandsalter, spielen Unterschiede beim Beruf kaum noch eine Rolle.
„Wer nicht erwerbstätig ist, verliert oft nicht nur Einkommen, sondern auch soziale Kontakte, Alltagsstruktur und das Gefühl, gebraucht zu werden“, heißt es in der Auswertung. Besonders schwer wiegt dabei auch das gesellschaftliche Stigma: „Arbeitslosigkeit ist häufig stigmatisiert – das kann zu Rückzug, Schamgefühlen und in der Folge auch zu Einsamkeit führen.“
Karin Prien, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, betont in einer Pressemeldung zur Studie: „Einsamkeit betrifft längst nicht nur ältere Menschen – auch in der Lebensmitte ist sie weit verbreitet, oft unsichtbar und unterschätzt.“ Besonders in dieser Phase falle es vielen schwer, neben beruflichem Druck und familiären Verpflichtungen echte soziale Nähe zu erleben. „Die Folgen von Einsamkeit sind gravierend – für die psychische Gesundheit, das soziale Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
Deshalb setzt das Ministerium auf gezielte Maßnahmen: „Wir setzen dort an, wo Menschen einander begegnen: im Arbeitsleben, im Ehrenamt, in Schulen, Vereinen und sozialen Einrichtungen“, so Prien. Soziale Begegnungen und das Gefühl, gebraucht zu werden, würden das Wohlbefinden entscheidend verbessern. Mit der „Allianz gegen Einsamkeit“ will die Bundesregierung neue Impulse setzen – auch für Menschen in der Lebensmitte.
Im Koalitionsvertrag ist vorgesehen, die bundesweite Strategie gegen Einsamkeit weiterzuentwickeln und bestehende Netzwerke zu stärken. Besonders im Bereich der Prävention und Forschung, etwa bei Kindern und Jugendlichen, soll das Thema stärker in den Blick genommen werden.