Warum Frauen Gerüche anders wahrnehmen als Männer
Warum Frauen Gerüche oft anders wahrnehmen als Männer, zeigt eine neue Studie. Über 21.000 Menschen wurden getestet – mit spannenden Ergebnissen, die erklären, warum Kaffee, Banane & Co. nicht für alle gleich riechen.
Warum riechen Frauen eigentlich anders als Männer? Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Leipzig ist dieser Frage nachgegangen – und hat spannende Antworten gefunden.
Ein oft unterschätzter Sinn
Der Geruchssinn gilt als der am wenigsten erforschte Sinn des Menschen. Dabei ist er eng mit dem Gehirn verknüpft – insbesondere mit Strukturen wie der Amygdala, die für Emotionen zuständig ist. Deshalb sind Düfte so stark mit Erinnerungen verbunden: Ein bestimmter Geruch kann uns sofort in eine Situation aus der Kindheit zurückversetzen oder beeinflusst, wie wir Entscheidungen treffen. Geht der Geruchssinn etwa durch eine Erkrankung verloren, empfinden viele Menschen dies als deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität.
Über 21.000 Menschen im Test
Für die aktuelle Untersuchung griff das Forschungsteam auf genetische Daten von mehr als 21.000 Europäerinnen und Europäern zurück. Mithilfe sogenannter genomweiter Analysen wurde das Erbgut miteinander verglichen. Die Teilnehmenden sollten außerdem zwölf Alltagsgerüche erkennen, darunter Kaffee, Orange, Pfefferminz, Banane oder Zimt. Dazu wurden ihnen spezielle „Riechstifte“ unter die Nase gehalten.
Sieben neue Gen-Regionen entdeckt
Das Ergebnis: Die Forschenden fanden sieben bislang unbekannte genetische Regionen, die mit der Fähigkeit zur Geruchserkennung zusammenhängen. Auffällig war, dass diese Gene jeweils nur mit einem bestimmten Geruch verbunden waren, also zum Beispiel mit der Fähigkeit, Kaffee oder Banane zu erkennen. Zudem wirkten drei dieser Regionen bei Frauen und Männern unterschiedlich.
Frauen riechen sensibler und variabler
Die Erkenntnisse bestätigen, was schon länger bekannt ist: Frauen nehmen bestimmte Gerüche sensibler wahr. Zudem verändert sich ihr Geruchsempfinden im Laufe des Zyklus oder während einer Schwangerschaft – ein Effekt, der hormonell gesteuert ist. Das könnte erklären, warum viele Schwangere bestimmte Gerüche plötzlich nicht mehr ertragen können.
Bedeutung für die Medizin
Langfristig könnten die neuen Erkenntnisse auch in der Medizin wichtig werden. Denn die Fähigkeit, Gerüche wahrzunehmen, steht in Zusammenhang mit Erkrankungen wie Alzheimer. Menschen, die Schwierigkeiten haben, bestimmte Düfte zu erkennen, könnten dadurch ein erhöhtes Risiko haben. Noch sind die genauen Mechanismen nicht vollständig verstanden, doch die Forschung könnte helfen, Krankheiten künftig früher zu erkennen.
Die Studie ist im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht worden.