Brauchtum zu Ostern

Eier, Feuer und Wasser

© Kassandra2

Eier sind die Grundlage für die Entstehung neuen Lebens und stehen daher naturgemäß symbolisch für Fruchtbarkeit. Kein Wunder also, dass das Ei im Christentum als Symbol für die Auferstehung und das ewige Leben schnell an Bedeutung gewann.

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Eier ein sehr begehrtes Nahrungsmittel, das man nicht selbstverständlich und ganzjährig im Supermarkt kaufen konnte. Umso mehr freuten sich die Kinder über jedes gefärbte Ei, das sie in ihrem Osterkörbchen fanden. Jeder wollte so viele Eier, wie möglich haben und so entwickelten sich lustige Spiele und Wettkämpfe um die Eier.

Oarscheibn

Beim Oarscheibn nimmt man zwei lange Rundhölzer - am besten eignen sich zwei gleich lange Rechen – die so zusammen gestellt werden, dass sich eine Laufbahn für die Eier ergibt. Der Anfang der Bahn soll ungefähr 50 cm hoch sein und das Ende in einen weichen ebenen Untergrund auslaufen. Nun beginnt der erste Spieler und lässt sein Ei rollen. In einer Spielvariante wird ein Geldstück auf das Ei gelegt, der nächste Spieler versucht mit seinem Ei das gegnerische Ei zu treffen. Wenn das Geldstück zu Boden fällt, darf der Spieler es behalten, der Getroffene legt ein neues Geldstück auf. In einer anderen Variante entscheidet Kopf oder Zahl, wer das Geld bekommt.

Man kann die Eier auch steuern. Sie rollen in die Richtung, in die die Spitze zeigt. Das Spiel kann auch ohne Geld gespielt werden. Es gewinnt, wessen Ei am weitesten rollt, oder wessen Ei unbeschadet bleibt.

Der Sieger bekommt dann die „angebeckten“ Eier der Gegner.

Oarbecka

Das Oarbecka geht auf den gleichen Hintergrund zurück. Zwei oder auch mehr Spieler nehmen ihre bunten Eier und schlagen (becken) sie mit den Spitzen gegeneinander. Der, dessen Ei heil bleibt, bekommt die Eier der Verlierer.

© shalamov

Um Osteroar geh

Am Ostermontag gehen die Burschen um Ostereier. Manchmal einzeln, manchmal in Grüppchen ziehen sie von Dirndl zu Dirndl und bitten um Ostereier. Je nach Zuneigung bekommen sie dann verschiedenfarbige Eier. Doch nur der, auf den das Dirndl ein Auge geworfen hat, erhält ein rotes Ei – als Zeichen der Liebe.

Geweihte Eierschalen

In der Osternacht werden in den katholischen Kirchen die mitgebrachten Speisen geweiht. In den schön verzierten Körbchen befindet sich in der Regel ein Osterlamm und gefärbte Eier, manchmal auch Geräuchertes, Brot und Salz.

Nach dem Verzehr bleiben die bunten Eierschalen übrig. Da man Geweihtes nicht wegwerfen soll, werden noch heute in manchen Gegenden die Schalen zerkleinert und im Gemüsegarten verteilt. Die Erde wird mit dem Kalk der Eierschalen gedüngt und durch die vorangegangene Weihe soll der Boden gesegnet werden und viel Ertrag bringen.

Feuer- oder Zuntltragen

Vor der Liturgie der Osternacht wird vor der Kirche ein Feuer entfacht und vom Priester gesegnet. Die Ursprünge des Osterfeuers gehen auf vorchristliche Zeit zurück und stehen in Verbindung mit Sonnenkult und Frühjahrserwachen. Am christlichen Osterfeuer wird die Osterkerze entzündet.

Als noch überwiegend mit Holz geheizt und am Holzherd gekocht wurde, gab es den Brauch des Feuertragens. Die Buben, die am Palmsonntag auch schon den Palmboschen zur Weihe trugen, brachten nach der Osternacht das Feuer zum Herd, den man zuvor hatte ausgehen lassen. Dazu wurden vom geweihten Osterfeuer glühende Kohlen in extra gefertigte Dosen gefüllt. Mit einem Stück der Glut bringt man im vorbereiteten Herd das Feuer wieder in Gang und damit Segen in sein Heim.

Im Tegernseer Raum werden statt den Feuerdosen Zuntln verwendet. Das sind getrocknete Baumschwämme, die an einem Draht befestigt und im Osterfeuer zum Glühen gebracht werden.

Osterwasser

Als Osterwasser bezeichnet man das Wasser, das in der Osternacht durch Eintauchen der Osterkerze geweiht wird. Durch diese Handlung werden Wasser und Licht miteinander verbunden und stehen für Taufe und Auferstehung Jesu. Dieses Wasser wird das ganze Jahr über für Taufen verwendet.

Aber auch Fluss- oder Quellwasser, am Ostermorgen geschöpft, wird als Osterwasser bezeichnet. Es soll gegen Hautkrankheiten und Ausschlag helfen und auch das Vieh soll durch ein Bad im Bach geschützt werden. Wer sich am Ostermorgen im fließenden Bach wäscht, soll für immer jung und schön bleiben.

Osterbrunnen

Ausgehend von der fränkischen Schweiz verbreitet sich immer mehr der Brauch, den Dorfbrunnen als Osterbrunnen zu schmücken. Der Hauptgrund für das Schmücken liegt in der Bedeutung des Wassers als Lebensspender und als Ursymbol für Leben und Fruchtbarkeit - nicht nur in Gegenden mit Wasserknappheit.

Trinkwasserquellen und -brunnen müssen sauber gehalten werden. Im Frühjahr werden die künstlichen Zisternen in einer Gemeinschaftsaktion der Dorfbewohner gereinigt und dann geschmückt. Das „Brunnenputzen“, wie das Schmücken genannt wird, ist ein verhältnismäßig junger Brauch, der nach mündlicher Überlieferung zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden ist.

Geschmückt wird mit Fichtenzweigen und Bändern, die oft zu Bögen oder Kronen gebunden werden. An diese kunstvoll gearbeiteten Gebilde werden bunte Eier befestigt. In den letzten Jahren wurden überwiegend Kunststoffeier dafür verwendet, da die echten Eier durch Witterung, manchmal leider auch durch blinde Zerstörungswut beschädigt wurden. Doch gehen erfreulicherweise wieder viele Brunnenschmücker zu den Ursprüngen zurück und verwenden wieder ausgeblasene Eier, die in mühevoller Kleinarbeit von Hand bemalt werden.

An vielen Orten sind die Osterbrunnen inzwischen eine Touristenattraktion.


Bauernregeln

(Gegenüber der Wintersonnwende verlängert sich der Tag) an Weihnachten um einen Hahnentritt, an Neujahr um einen Männerschritt, an Dreikönig um einen Hirschensprung und an Lichtmess um eine ganze Stund’

Ist's zu Lichtmess mild und rein / wirds ein langer Winter sein.

Lichtmess-Sonnenschein / bringt großen Schnee herein.

Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß, / gibt`s noch sehr viel Schnee und Eis.

Ist's Lichtmess licht, / geht der Winter nicht.

Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit, / ist der Frühling nicht mehr weit; / ist es aber klar und hell, / kommt der Lenz wohl nicht so schnell.

Lichtmess trüb / ist dem Bauern lieb.

Lichtmess im Klee, / Palmsonntag (oder: Ostern) im Schnee.

Weiße Lichtmess – grüne Ostern

An Lichtmess fängt der Bauersmann / neu mit des Jahres Arbeit an.

Lichtemessen ist der Winter halb vergessen


Back to topbutton