Pollenalarm: Heuschnupfen bei Kindern

Interview mit Oberarzt Dr. Michael Buss

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Mit den ersten warmen Tagen beginnt für viele Kinder die Zeit von Niesen, juckenden Augen und laufender Nase. Woran Eltern Heuschnupfen erkennen und was wirklich hilft, erklärt Dr. Michael Buss im Interview.

Alle Jahre wieder beginnt sie: die Zeit des Niesens, Schniefens und tränender Augen. Mit den ersten warmen Tagen beginnt auch die Heuschnupfensaison, und für viele Menschen eine belastende Phase. Doch was genau passiert bei einer Pollenallergie im Körper? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und was können Familien konkret tun?

Die Zwergerl Redaktion hat mit Dr. Michael Buss, Leitender Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am RoMed Klinikum Rosenheim, über das Thema Heuschnupfen gesprochen.

Zwergerl Magazin: Hallo, Herr Dr. Buss! Was ist eigentlich dieser Heuschnupfen? 

Dr. Michael Buss: Als Heuschnupfen bezeichnet man die klinische Symptomatik, die im Bereich der Nase, des Rachenraumes und der Augen nach Kontakt mit Gräserpollen (Heu) entsteht. Neben verschiedenen Gräsern können auch Baumpollen diese Symptome auslösen. Es handelt sich um eine sogenannte autoimmunologische Erkrankung. Dabei kommt es zu einer Schwellung der Nasenschleimhaut mit reichlich wässrigem Sekret, Jucken der Nase und Niesanfällen. Sind die Augen betroffen, zeigt sich eine Schwellung der Bindehaut, Jucken oder Brennen, gesteigerter Tränenfluss und Lichtempfindlichkeit. Bei ausgeprägten Beschwerden treten zusätzlich Allgemeinsymptome auf, vor allem Müdigkeit, Kopfschmerzen und Gereiztheit.

ZM: Welche Pollen lösen Heuschnupfen am häufigsten aus?

Dr. Buss: Es gibt drei Gruppen von Pollen, die zu unterschiedlichen Jahreszeiten Symptome verursachen. In den Frühlingsmonaten (Februar bis April) sind es überwiegend Frühblüher, d. h. von Bäumen stammende Pollen, wie Hasel, Erle, Birke. In den Frühsommer- und Sommermonaten überwiegen Gräserpollen, sowohl Wiesengräser als auch Nutzgetreide können Auslöser sein. Eine dritte Gruppe von Pflanzen macht überwiegend Beschwerden im Frühherbst. Hier sind vor allem Beifuß und ein ursprünglich aus den USA stammendes Gras, genannt Ragweed, auslösend.

ZM: Warum trifft er auch Kinder und ab welchem Alter?

Dr. Buss: Sie kann als Veranlagung genetisch bedingt sein und in der Familie weitergegeben werden. Sie kann aber auch im Laufe der ersten Lebensjahre erworben werden, ohne das weitere Familienmitglieder erkrankt sind. Man geht davon aus, dass mindestens zwei Pollensaisons durchgemacht worden sein müssen, bevor es zum Entstehen eines Heuschnupfens kommt. Daher ist die Erkrankung bei Kindern vor dem 3. Lebensjahr sehr selten. Generell ist aber ein Erkrankungsbeginn in jedem Lebensalter möglich. In großen Studien hat sich gezeigt, dass die Häufigkeit von Heuschnupfen bei 6- bis 7-jährigen Kindern bei circa 10 Prozent und bei 13- bis 14-jährigen Kindern bei circa 15 Prozent liegt.

ZM: Wann ist Hochsaison für Heuschnupfen und in welcher Zeit sind die Beschwerden am stärksten?

Dr. Buss: Dies hängt davon ab, gegen welche Art von Pollen eine Unverträglichkeit besteht. Dementsprechend dauert die Heuschnupfensaison von März bis Oktober. Aufgrund des Klimawandels und der dadurch länger werdenden Vegetationsperioden, sind inzwischen auch Beschwerden im Februar bzw. im November möglich. Wenn gegen verschiedene Pollengruppen Allergien bestehen, treten die Beschwerden über mehrere Monate hinweg auf.

ZM: Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind Heuschnupfen hat?

Dr. Buss: Die Erkrankung lässt sich leicht anhand der typischen klinischen Symptomatik erkennen, vor allem, wenn den Symptomen wenige Stunden vorher ein Aufenthalt in einer entsprechenden Umgebung, wie Wiese, Wald, Park oder Garten, vorausgegangen ist.

ZM: Welche Symptome werden bei Kindern häufig mit einer Erkältung verwechselt?

Dr. Buss: Tränende Augen, rinnende Nase, Niesen und gegebenenfalls Husten können auch Symptome einer Erkältung sein. Erkältungen treten gewöhnlich in der kalten Jahreszeit auf, in der keine Pollen in der Umwelt zirkulieren. Zudem kommt eine erhöhte Temperatur oder Fieber bei Heuschnupfen nicht vor. Die Unterscheidung zwischen einer Sommergrippe und Heuschnupfen kann mitunter schwierig sein. Im Verlauf einiger Tage ist sie aufgrund der unterschiedlichen Verläufe jedoch leicht möglich.

ZM: Wann sollten Eltern mit ihrem Kind ärztlichen Rat einholen?

Dr. Buss: Bei stärkerer und regelmäßig auftretender klinischer Symptomatik, die nach Unterbrechung des Kontaktes mit Pollen nicht von selbst wieder verschwindet, sollte der Besuch bei einem Kinderarzt erwogen werden.

ZM: Welche Folgen kann unbehandelter Heuschnupfen im Kindesalter haben?

Dr. Buss: Bei der Mehrzahl der Patienten vor allem ein erhöhtes Krankheitsgefühl aufgrund der anhaltenden Beschwerden. Eine chronische Schwellung der Nasenschleimhaut kann zu einer Einengung der Atemwege führen, was nächtliche Atemprobleme auslösen kann. Starke allergische Reaktionen können sich sogar über einen längeren Zeitraum zu Asthma entwickeln.


Unser Experte: 

© RoMed Klinikum Rosenheim

Dr. Michael Buss ist leitender Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am RoMed Klinikum Rosenheim, der größten kommunalen Kinderklinik zwischen München und Salzburg. Für allergologische Fragestellungen steht Dr. Torsten Uhlig in einer ambulanten Sprechstunde zur Verfügung. In speziellen Fällen erfolgt auch tagesklinisch oderstationär eine entsprechende allergologische Diagnostik in der RoMed Kinderklinik.

Mehr Infos unter www.romed-kliniken.de/de/rosenheim/kinder-und-jugendmedizin.htm

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