Zuckerersatz im Familienalltag

Was Eltern über Honig, Xylit & Co. wissen sollten

Was Eltern über Honig, Xylit & Co. wissen sollten

Zucker steht bei vielen Familien auf der „Roten Liste“, doch ganz ohne die süße Verlockung kommt der Alltag oft nicht aus. Honig, Agavendicksaft oder Erythrit gelten schnell als gesündere Alternativen – aber sind sie das wirklich? Es gibt viele verschiedene Zuckeralternativen und Zuckeraustauschstoffe, die alle unterschiedliche Eigenschaften, Süßkraft und gesundheitliche Bewertungen aufweisen.

Zucker hat keinen guten Ruf – vor allem im Familienalltag möchten viele Eltern ihn reduzieren. Schnell landen dann Alternativen wie Honig, Agavendicksaft oder Erythrit auf dem Frühstückstisch. Aber: Was ist tatsächlich gesünder? Und wo liegen die Risiken? Auch Kinder und Schwangere sollten bei der Wahl von Süßungsmitteln und Zuckeraustauschstoffen besonders vorsichtig sein.

Im Interview mit dem SZ-Magazin erklärt Charité-Mediziner Stefan Kabisch, was hinter Zuckerersatzstoffen steckt und was passiert, wenn man vollständig auf Zucker verzichtet.

Einführung in den Zuckerersatz

Zucker ist aus unserem Alltag kaum wegzudenken – ob im Joghurt, im Getränk oder im Kuchen. Doch immer mehr Menschen machen sich Gedanken über die Auswirkungen von zu viel Zucker auf die Gesundheit. Studien zeigen, dass ein hoher Zuckerkonsum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes deutlich erhöht. Das Bedürfnis nach Süßem bleibt jedoch bestehen, weshalb viele nach Alternativen suchen.

Süßstoffe und Zuckerersatzstoffe wie Erythritol (E 968), Xylit (E 967), Aspartam oder Acesulfam K sind längst in vielen Lebensmitteln und Getränken aus dem Supermarkt zu finden. Sie versprechen süßen Geschmack bei weniger Kalorien und werden oft als Weg zu einer gesünderen Ernährung beworben. Doch wie gesund sind diese Alternativen wirklich?

Ernährungsmediziner wie Prof. Dr. Hans Hauner und Dr. Stefan Kabisch vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung betonen, dass Süßstoffe im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung durchaus ihren Platz haben können. Erythritol, ein Zuckeralkohol, der auch natürlich in Obst vorkommt, gilt als besonders verträglich: Er liefert fast keine Kalorien, verursacht keine Karies und wird vom Körper größtenteils unverändert wieder ausgeschieden. Im Gegensatz dazu können andere Zuckeralkohole wie Xylit oder Sorbitol in größeren Mengen zu Magen-Darm-Beschwerden führen.

Trotzdem warnen Experten wie Dr. Stefan Kabisch vor einem übermäßigen Konsum von Süßstoffen. Einige Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Süßstoffe wie Aspartam oder Acesulfam K in Verbindung mit einem erhöhten Risiko für Krebs oder anderen Erkrankungen stehen könnten. Gleichzeitig gibt es aber auch zahlreiche Untersuchungen, die keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit feststellen konnten. Besonders die Auswirkungen auf die Darmflora und den Stoffwechsel werden aktuell intensiv erforscht, da das Mikrobiom im Darm eine wichtige Rolle für das allgemeine Wohlbefinden spielt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, den Anteil von Zucker an der täglichen Kalorienzufuhr auf unter 10 Prozent zu begrenzen. Wer auf eine gesunde Ernährung achten möchte, sollte daher nicht nur auf den Zuckergehalt, sondern auch auf die verwendeten Süßstoffe in Lebensmitteln und Getränken achten. Ein bewusster Umgang mit Süßem – egal ob Zucker oder Zuckerersatz – ist der beste Weg, um langfristig die Gesundheit zu schützen.

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Zuckerersatzstoffe es gibt, wie sie wirken und worauf Sie im Familienalltag achten sollten. Wir beleuchten die neuesten Studien, geben Tipps für den Alltag und zeigen, wie Sie Ihr Bedürfnis nach Süßem auf gesunde Weise stillen können.

Natürlich, aber nicht harmlos: Honig, Ahornsirup und Agavendicksaft

Viele als „natürlich“ geltende Süßmacher enthalten ebenfalls hohe Mengen Zucker – nur in anderer Form. Entscheidend für die gesundheitlichen Auswirkungen ist jedoch die Menge des konsumierten Zuckers. Honig wird häufig als gesunde Alternative betrachtet, doch „im Prinzip sind es 80 Prozent Zucker“, sagt Kabisch. Zwar bringe Honig entzündungshemmende Stoffe mit, aber ein echtes Gesundheitsprodukt sei er deshalb nicht. Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen hohem Zuckerkonsum und dem Risiko für Übergewicht, insbesondere bei Kindern. Studien zeigen, dass ein hoher Zuckerkonsum eine der Hauptursachen für Übergewicht ist. Die Ergebnisse aktueller Studien zu natürlichen Süßungsmitteln deuten darauf hin, dass sie keine signifikanten gesundheitlichen Vorteile gegenüber herkömmlichem Zucker bieten; allerdings sind die Ergebnisse oft uneinheitlich und die Aussagekraft der Studien durch methodische Limitationen eingeschränkt. Bei Ahornsirup und Agavendicksaft sei es sogar noch problematischer, denn das „ist flüssiger Zucker, der an keiner Stelle besser ist als klassischer Zucker.“ Der Bereich der natürlichen Süßungsmittel ist zwar vielfältig, doch sollte ihr Konsum stets in Maßen erfolgen. Einziger Unterschied: Der Preis ist bei diesen flüssigen Varianten spürbar höher.

Süßstoffe: Kalorienfrei, aber umstritten

Wie steht es um industrielle Ersatzstoffe wie Xylit oder Erythrit? Diese Zuckeraustauschstoffe und Zuckeralkohole unterscheiden sich chemisch von klassischen Süßungsmitteln und Süßstoffen, da sie zwar süß schmecken, aber weniger Kalorien liefern und anders verstoffwechselt werden. Sie besitzen eine geringere Süßkraft als viele künstliche Süßstoffe, deren Süßkraft oft ein Vielfaches von Zucker beträgt und die in unterschiedlichen Bereichen, etwa beim Backen, eingesetzt werden können. Bei großen Verzehrsmengen – die konsumierte Menge ist entscheidend – können Zuckeralkohole wie Xylit oder Erythrit Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen, weshalb der Konsum in Maßen empfohlen wird. Allerdings schreibt Kabisch ihnen auch positive Eigenschaften zu: „Sie haben den gleichen Mechanismus wie Ballaststoffe, auch da kriegen die Leute Blähungen, weil günstige Darmbakterien gefüttert werden.“ Gleichzeitig reduzieren sie Entzündungen und helfen bei Insulinresistenz.

Kabisch hat bei diesen Süßstoffen einen Favoriten: „Am verträglichsten ist zweifellos das Erythrit, weil es diese Magen-Darm-Probleme normalerweise nicht verursacht, aber eben auch kaum zu gesunden Fettsäuren fermentiert wird.” Die wissenschaftliche Bewertung der gesundheitlichen Risiken von Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen basiert auf Studien, wobei insbesondere Langzeitstudien notwendig sind, um verlässliche Aussagen zu treffen. Im Zusammenhang mit Süßstoffkonsum werden gesundheitliche Risiken wie Übergewicht, Insulinresistenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen diskutiert, wobei aktuelle Studien teils widersprüchliche Ergebnisse liefern und die Interpretation der Ergebnisse durch methodische Limitationen erschwert wird. Dr. med. Stefan Kabisch, Experte für Stoffwechselmedizin, betont, dass die Ursachen für diese Erkrankungen vielfältig sind und der Zusammenhang zwischen Süßstoffkonsum und Erkrankungsrisiko noch nicht abschließend geklärt ist. Besonders bei Kindern und Schwangeren wird auf mögliche Auswirkungen von Süßstoffen auf die Entwicklung und den Stoffwechsel hingewiesen. Auch Zero-Getränke mit Süßstoffen stehen im Fokus aktueller Studien, die deren Einfluss auf den Stoffwechsel und das Risiko für Übergewicht untersuchen. Es gibt Hinweise, dass bestimmte Süßstoffe wie Erythrit die Blutgerinnung beeinflussen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen könnten. Nicht alles ist in Studien technisch machbar, weshalb Bilder helfen können, komplexe Zusammenhänge wie die Wirkung von Süßstoffen auf das Mikrobiom zu verdeutlichen. In der europäischen Union ist der hohe Zuckerkonsum ein bedeutender Faktor für die Prävalenz von Übergewicht und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken.

Andere Süßstoffe wie Sucralose oder Aspartam werden von der WHO als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft. Kabisch meint jedoch, das solle man nicht zum alleinigen Kriterium machen: „Das ist die unterste Stufe, die ein Krebsrisiko beinhaltet.“ Wer abnehmen möchte oder an Diabetes leidet, kann tatsächlich von diesen Stoffen profitieren. Aber: „Für normalgewichtige, gesunde Menschen mit geringer Zuckerzufuhr gibt es keinen wirklichen Grund, auf diese Austauschstoffe auszuweichen.“

Zuckerfrei aufwachsen – geht das?

„Zucker ist ein Nährstoff, den wir eigentlich nicht zuführen müssen“, erklärt Kabisch. Insbesondere bei einem Kind ist die konsumierte Menge an Zucker entscheidend für die Entwicklung und das Risiko für Übergewicht. Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen hohem Zuckerkonsum im Kindesalter und der Entstehung von Übergewicht, wobei Übergewicht eine häufige Ursache für verschiedene Folgeerkrankungen ist. Die Ergebnisse aktueller Studien deuten darauf hin, dass ein Verzicht auf Zucker im Bereich der Kindergesundheit positive Effekte auf das Gewicht und den Stoffwechsel haben kann, wobei die Ergebnisse einzelner Studien teilweise unterschiedlich ausfallen. Es ist wichtig, dass der Konsum von Zucker und Zuckerersatzstoffen in Maßen erfolgt, um gesundheitliche Risiken zu minimieren.

Ihn weitgehend zu meiden, sei die beste Strategie. Das erfordere allerdings Gewöhnung: Zum Beispiel könne man bei Durst statt zu einem gesüßten Getränk zu einer ungesüßten Variante greifen. Nach zwei bis drei Wochen sinke das Verlangen nach Süßem bereits deutlich: „Das merkt man oft daran, dass etwas Süßes plötzlich ekelhaft schmeckt.” Aus biologischer Sicht beeinflusst das sowohl das Gewicht als auch den Blutzuckerspiegel positiv.

Zwergerl Tipps für weniger Zucker im Familienalltag

Getränke clever wählen: Wasser, ungesüßte Tees oder verdünnte Fruchtsäfte sind gute Alternativen zu Limonaden oder Fruchtsaftgetränken. Die Menge und der Konsum in Maßen sind dabei entscheidend für die Gesundheit und helfen, die Risiken von Übergewicht zu reduzieren.

Frische Zutaten verwenden: Selbstgekochte Mahlzeiten mit natürlichen Zutaten ermöglichen Kontrolle über den Zuckergehalt und sind meist gesünder als Fertigprodukte. Auch hier gilt: Die Menge des verwendeten Zuckers sollte bewusst gewählt werden.

Auf versteckten Zucker achten: Viele Lebensmittel, insbesondere Snacks oder Fertigsoßen, enthalten oft versteckten Zucker. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich, um den tatsächlichen Umfang des Zuckerkonsums zu erkennen.

Süßes bewusst genießen: Statt Süßigkeiten generell zu verbieten, kann man sie zu besonderen Anlässen anbieten – so lernen Kinder, Süßes als Ausnahme zu betrachten. Der bewusste Umgang mit der Menge hilft, Übergewicht vorzubeugen.

Natürliche Süße nutzen: Reifes Obst (z. B. Bananen, Beeren) oder Gemüsesorten wie Karotten können Speisen auf natürliche Weise süßen, ohne zusätzlichen Zucker beigeben. Der Bereich der natürlichen Süßungsmittel ist vielfältig, dennoch sollte der Konsum stets in Maßen erfolgen.

Kinder einbeziehen: Wer gemeinsam neue Rezepte ausprobiert, fördert das Bewusstsein für gesunde Ernährung. Kinder, die bei der Zubereitung helfen dürfen, probieren häufiger auch weniger Süßes oder neue Zutaten. Ein bewusster Umgang mit Zuckerkonsum im Kindesalter ist besonders wichtig, um Übergewicht und damit verbundene Gesundheitsrisiken frühzeitig zu vermeiden.

Fazit

Die konsumierte Menge an Zucker und der Konsum in Maßen sind entscheidend für die Gesundheit. Zucker ist zwar nicht besonders gesund, doch in geringen Mengen auch nicht unmittelbar schädlich. Wer seinen Zuckerkonsum bewusst steuert, kann langfristig von einer insgesamt besseren Ernährung profitieren. Studien zeigen, dass ein hoher Zuckerkonsum mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht und damit verbundenen Krankheiten einhergeht, wobei die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung auf die Bedeutung der konsumierten Menge hinweisen. Zuckeralternativen wie Xylit, Erythrit und synthetische Süßstoffe werden häufig als Ersatz verwendet; aktuelle Studien liefern jedoch unterschiedliche Ergebnisse hinsichtlich ihrer Sicherheit und Wirkung auf den Körper. Und manchmal kann es sich durchaus lohnen, auf eine der vielen Alternativen zurückzugreifen.

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