Ist unser Kind hochsensibel?

von Katja v. Wintzingerode-Knorr

© IndividualOne

Bäm! Da ist die Kinderzimmertür wieder zu. Dahinter Jonas. Davor seine bedröppelten Spielkameraden. Die Eltern sind verunsichert. Immer wieder reagiert ihr Sohn in bestimmten Situationen mit Rückzug, Abschalten oder gar aggressivem Verhalten. „Stimmt etwas nicht mit unserem Kind?“, fragen sie sich, wenn Jonas beim Einkaufen ausrastet oder am liebsten alleine an seinem Lego-Auto baut. Die Antwort könnte Hochsensibilität sein. Rund 20 Prozent der Bevölkerung gelten als hochsensibel, nehmen ihre Umwelt intensiver wahr und reagieren besonders stark auf Sinneseindrücke.             

Hochsensibilität: mehr als „nur“ überempfindlich

In unserer reizüberfluteten Welt haben es hochsensitive Kinder doppelt schwer. Ihr Nervensystem reagiert überaus empfindlich auf Lärm, helles Licht oder Menschenmengen und nimmt auch kleinste Reize und Informationen auf. Forschungen weisen darauf hin, dass Hochsensible über deutlich mehr Neurotransmitter im Gehirn verfügen könnten. Diese chemischen Botenstoffe übertragen Informationen von einer Nervenzelle zu einer anderen. Dabei sorgt bei den meisten Menschen ein Filter im Nervensystem dafür, wichtige von unwichtigen Reizen zu trennen. Bei den kleinen Vielfühlern kommen dagegen Einflüsse praktisch ungefiltert an. Sie sehen, hören, riechen, fühlen mehr, stärker und differenzierter als ihre weniger sensitiven Altersgenossen.

Hochsensibilität ist keine Krankheit

Bei der Erforschung der Hochsensibilität handelt es sich um eine noch junge Wissenschaft. Die High-Sensitivity-Pionierin und amerikanische Psychologin Elaine N. Aron prägte Mitte der 1990er Jahre die Bezeichnung „Hochsensibilität“. Einig ist man sich, dass Hochsensibilität keine Krankheit, sondern eine Charaktereigenschaft ist. Fachleute gehen davon aus, dass sich die Menschen auf einem Sensibilitäts-Spektrum bewegen, die meisten in der Mitte. Die Entwicklungspsychologin Francesca Lionetti stellt die unterschiedlichen Ausprägungen von Sensibilität als Blumenbeet dar: laut ihrer Studien sind 30 Prozent der Menschen hochsensible „Orchideen“, fast ebenso viele gehören zum niedrigsensiblen „Löwenzahn“, der Rest zeigt als „Tulpe“ mittlere Sensibilität.

Hochsensible Kinder erkennen

Die Diagnose „Hochsensibilität“ kann für Eltern und Kind ein Gamechanger sein. Denn der hochsensitive Nachwuchs wird oft als schwierig, zu schüchtern, weinerlich oder ... 


© adobe stock

Du möchtest wissen wie es weiter geht? Dann lies doch in unserm Digitalmagazin weiter. 

ZUM DIGITALMAGAZIN

Back to topbutton