Handyverbot an Schulen? Experten klären auf
Ein Bündnis aus Experten fordert ein striktes Handyverbot an Schulen – zum Schutz der Kinder. Digitale Medien beeinträchtigen laut Wissenschaftlern nicht nur die schulischen Leistungen, sondern auch die geistige und soziale Entwicklung.
Handyverbot an Schulen - Das fordert das Bündnis für humane Bildung von der Bundesregierung. In einer aktuellen Pressekonferenz erklärten fünf ihrer Experten, warum sie eine Bildung ohne Tablets, Smartphones und Co. verlangen. Doch nicht nur sie stehen für analoge Bildung ein, über 70 Spezialisten aus verschiedenen Fachbereichen haben sich zusammengeschlossen und eine Petition gestartet. Ihr Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen vor den Konsequenzen der digitalen Welt zu schützen.
Digitale Medien in der Schule: Zwischen Fortschritt und Abgrund
Seit 20 Jahren dringen stetig neue Technologien in alle Lebensbereiche vor. Professor Ralf Lankau kritisiert, dass diese Technologien ohne pädagogischen Mehrwert direkt in den Schulalltag integriert werden. Das würde zu einem enormen Absturz der Auffassungsgabe von Kindern führen. Ein Kompetenzverlust, vor allem in den Fächern Mathematik und Deutsch, sei bereits sichtbar. Immerhin können 18,8 Prozent der Kinder, die bereits 4 Jahre zur Schule gegangen sind, nicht lesen. Eine hohe Prozentzahl - Die Digitalisierung trifft, laut Medienexperte Lankau, die Schuld.
Mehr als nur Schulbildung: Kinder- und Jugendschutz in Gefahr
Bei den negativen Auswirkungen im schulischen Bereich würde es nicht bleiben. Gehirnforscher und Psychiater Manfred Spitzer hebt hervor, dass digitale Medien bereits nachweislich die Entwicklung eines jungen Gehirns negativ beeinflussen. Neben den Lerndefiziten sind Cybermobbing, Aufmerksamkeitsstörungen, Bewegungsmangel bis hin zu Autismus oder Depressionen ein grausamer Nebeneffekt der Smartphone Nutzung. Und das ist nicht alles: Die Liste der potenziellen Gefahren von Social Media und Smartphones ist lang.
Auch Kinder- und Jugendarzt Dr. Uwe Büsching ist alarmiert. Hier ginge es nicht nur um eine bessere Schulbildung, sondern um den Kinder- und Jugendschutz. „Solange wir es nicht wissen, sollten wir es lassen”, betont Büsching. Seiner Meinung nach steht in diesem Fall das wirtschaftliche Interesse der Regierung über dem Kindeswohl: Immerhin profitieren vor allem Technologiekonzerne von der Digitalisierung der Schulen. Hier geht es um viel Geld, denn die Anschaffung der technischen Geräte kostet. Das macht den Kinder- und Jugendarzt sauer.
Alltagserfahrungen und systemische Probleme
Die Beobachtungen der Experten stützen sich nicht nur auf wissenschaftliche Studien, sondern auch auf den Alltag in den Schulen. Ein Mann von Fach, Gymnasiallehrer und Buchautor Dr. Mario Gerwig schildert: „Schüler sind froh, wenn sie ihr Handy für 45 Minuten los sind.“ Er berichtet, dass er vor seinem Unterricht sämtliche Smartphones einsammelt. Das gestaltet seine Schulstunden deutlich produktiver. Doch ein Problem bleibt bestehen: Nach dem Unterricht checken alle sofort ihre Handys, soziale Interaktion gibt es in den Pausen kaum noch. Im nächsten Fach wird dann wieder lauthals miteinander gesprochen, das Lernen bleibt auf der Strecke. Für Gerwig ein absolutes NoGo, aber auch nur ein kleiner Teil der Gesamtproblematik. Er ist sich dennoch sicher, dass der Fehler nicht bei den Schülern liegt - aber im System, das Technik vor Didaktik stellt.
Vision für eine digitale Entgiftung der Schulen
Die Experten der Humanen Bildung wollen eine Zukunft, in der Handys, Tablets und Laptops aus den Schulen verschwinden. Stattdessen soll wieder auf analoges Lernen gesetzt werden. Fächer wie Medienkompetenz werden ihrer Ansicht nach nicht in dem Maße benötigt, wie es heute der Fall ist. Als Alternative schlagen sie die Einführung eines „Medienführerscheins“ vor – ein Konzept, das Jugendlichen das nötige Werkzeug vermitteln soll, um selbstbewusst und verantwortungsvoll mit sozialen Medien umzugehen. Zudem wird ein Mindestalter von 16 Jahren für den Zugang zu sozialen Medien als sinnvoll erachtet.
Fazit
Die Forderungen des Bündnisses für Humane Bildung richten sich an alle, die den Erhalt eines gesunden und kompetenzfördernden Lernumfelds für unsere Kinder sicherstellen wollen. Angesichts der alarmierenden Zahlen und Berichte scheint es höchste Zeit zu sein, die Rolle digitaler Medien im Schulalltag kritisch zu hinterfragen. Eltern, Pädagogen und Entscheidungsträger sollten gemeinsam an einer Zukunft arbeiten, in der Bildung nicht durch Technik, sondern durch echte zwischenmenschliche Interaktion und fundiertes Lernen geprägt ist.