Konkurrenz kann Jugendliche auf Dauer weniger hilfsbereit machen

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© michelangeloop

Eine neue Studie zeigt: Dauerhafter Konkurrenzdruck verändert das Verhalten von Jugendlichen. Vertrauen und Hilfsbereitschaft bleiben dabei oft auf der Strecke.

Viele Unternehmen setzen auf Wettbewerbe, um die Leistung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verbessern. Und auch Schulen versuchen oft, Wettbewerbe zu erzeugen, um die Produktivität der Schüler zu steigern. Doch eine neue Studie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zeigt: Dauerhafter Konkurrenzdruck kann die Persönlichkeit junger Menschen verändern.

Wenn Leistung wichtiger wird als Miteinander

Ziel von Wettbewerbs-Projekten ist es oft, Jugendliche zu motivieren und ihnen bessere Chancen auf Bildung oder Beruf zu eröffnen. Doch dabei rücken Aspekte wie Vertrauen und Hilfsbereitschaft leicht in den Hintergrund. 

Das war der Forschungsgegenstand der Experten aus Würzburg. Gemeinsam mit internationalen Partnern werteten sie Daten aus Schulen in Chile aus, an denen ein staatliches Förderprogramm lief: Die besten 15 Prozent einer Schule erhielten dort einen sicheren Studienplatz, ohne die sonst verpflichtende Aufnahmeprüfung.

Langfristige Folgen für das soziale Verhalten

Über zwei Jahre hinweg standen die Jugendlichen damit in einem ständigen Wettbewerb um Noten und Anerkennung. Das Ergebnis ist ernüchternd: Hilfsbereitschaft und Vertrauen haben deutlich abgenommen. Und diese Entwicklung war nicht nur vorübergehend. Selbst vier Jahre nach Ende des Wettbewerbs zeigten die Jugendlichen weniger prosoziales Verhalten. „Der dauerhafte Wettbewerb verändert also nicht nur das situative Verhalten. Er beeinflusst auch die Persönlichkeitsentwicklung“, so der Würzburger Professor Fabian Kosse. 

Was bedeutet das für Schulen?

Die Forschenden warnen davor, Wettbewerbe unkritisch als Allheilmittel einzusetzen. Stattdessen schlagen sie vor, Regeln zu verändern: Würde man die Besten nicht innerhalb einer einzelnen Schule, sondern innerhalb einer ganzen Region vergleichen, wäre der Druck innerhalb der Klassen geringer. Denkbar sei auch, den Wettbewerb schulübergreifend zu organisieren – dann könnte sogar ein „Wir-Gefühl“ entstehen, das die Zusammenarbeit stärkt.

Ein Balanceakt zwischen Anreiz und Miteinander

Die Studie zeigt deutlich, wie wichtig es ist, bei Bildungsprogrammen nicht nur auf Leistung zu schauen. Kinder und Jugendliche brauchen Anreize, aber ebenso Räume für Kooperation, Vertrauen und gegenseitige Unterstützung. Für Eltern bedeutet das: Auch wenn Wettbewerb motivieren kann, sollte immer darauf geachtet werden, dass das Miteinander nicht verloren geht.

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