75. Geburtstag von Pippi Langstrumpf
Wie eine Geschichte für ein kleines krankes Mädchen die Welt im Sturm eroberte

„Wenn wir nicht wollen, brauchen wir nicht erwachsen zu werden.“
Nun ist die berühmte junge Dame, die das gesagt hat, 75 Jahre alt geworden – und hat sich offensichtlich bis heute gegen das Erwachsensein entschieden. Pippi Langstrumpf feiert Geburtstag, und alle Welt von Deutsch- bis Taka-Tuka-Land ist eingeladen.
Seit 1945 hüpft und tanzt sie von Generation zu Generation, von Land zu Land. Pippis Bücher wurden in 77 Sprachen übersetzt, von Finnisch („Peppi Pitkätossu“) bis Indonesisch („Pippi Si Kaus Panjang). 66 Millionen Exemplare sind bisher weltweit verkauft. Pippi bestreikt die Schule, segelt über den Ozean – Freiheit for Future – würde man heute vielleicht sagen. Außerdem kann sie keine Plutimikation und wäscht sich ungern. Aber da mag die penetrant-pädagogische Prusseliese noch so zetern, Pippi Langstrumpf ist eines der größten Vorbilder für Generationen von Kindern. Bereits in Zeiten, in denen der Nachwuchs vor allem zu gehorchen hat, geht Pippi ihrer eigenen Wege.
Die Studenten haben ihre Studentenrevolte, die Kinder haben Pippi Langstrumpf. Wagemutig, frech, stark – und mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Und so ist Pippi Langstrumpf auch nach 75 Jahren in jeglicher Hinsicht jung geblieben. Es ist kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, als sich Astrid Lindgren (1907–2002) das neunjährige Mädchen mit den roten Zöpfen und den bunten Strümpfen ausdenkt. Spontan, an einem Abend, als ihre Tochter Karin krank im Bett liegt und eine Geschichte hören möchte. „Erzähl mir von ‚Pippi Langstrumpf‘“, sagt Karin. Den Namen hat sie sich ausgedacht. Und ihre talentierte Mutter legt los, erzählt erst, schreibt dann auf. Eigentlich soll das Manuskript ein Geschenk für ihre Tochter werden. Zusätzlich schickt sie es an einen Verlag, doch der lehnt ab. Astrid Lindgren glaubt weiterhin an Pippi Langstrumpf und reicht eine überarbeitete Version bei einem Schreibwettbewerb ein – und gewinnt. Der Rest ist, nun ja, Geschichte.
Als 1945 das erste Pippi-Buch in Schweden erscheint, wird es schnell zum Bestseller.
Bis 1948 sind drei Bände fertig, es folgen drei Kurzgeschichten und eine Reihe von Bilderbüchern.
1949 holt der Hamburger Verleger Friedrich Oetinger Pippi Langstrumpf nach Deutschland. Fortan verbindet Astrid Lindgren und Familie Oetinger eine enge Freundschaft. Eine Tradition, die ihre Nachkommen bis heute fortführen. Pippi Langstrumpf ist in Deutschland so beliebt wie in keinem anderen Land. Rund 8,6 Mio. Bücher sind bisher verkauft. Wobei sich der Erfolg zunächst auf die Bundesrepublik beschränkt. In der DDR bleibt Pippi Langstrumpf über Jahrzehnte verboten, der Regierung ist das kleine schwedische Mädchen zu anarchisch.







