Mehr Gerechtigkeit nach sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend

Viele Betroffene leiden ein Leben lang
Im Schnitt werden in Deutschland jeden Tag 49 Kinder Opfer sexualisierter Gewalt. Das Dunkelfeld, so das Bundeskriminalamt, ist um ein Vielfachesgrößer. Beim Versuch, Licht ins kriminelle Dunkel zu bringen, werden nun auch Menschen sichtbar, die schon vor Jahrzehnten in der eigenen Familie, in Heimen, Sport- oder Freizeiteinrichtungen Missbrauch erfahren haben und bereits viele Jahre einen teils aussichtslosen Kampf für Gerechtigkeit führen. Ein Forschungsprojekt will hier Unterstützung leisten.
Spirale der Ungerechtigkeit
Betroffene von sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend haben Leid und massives Unrecht erlebt. Sie leiden meist ein Leben lang unter gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen. Denn das Unrecht besteht oft weiter. Selbst wenn die Taten lange zurückliegen, Täter oder Täterinnen inzwischen verstorben, Institutionen geschlossen sind. In vielen Fällenwurde das Unrecht nie anerkannt, wurde nie Strafanzeige gestellt, wurdenTaten geleugnet und Verantwortliche nicht zur Rechenschaft gezogen. Häufig erleben Betroffene deshalb fortgesetzte Ungerechtigkeit und Missachtung. Hinzu kommt tiefe Enttäuschung über die Täter oder Täterinnen, über Nahestehende, die nicht zugehört, nicht geglaubt, geleugnet und nicht geschützt haben. Wenn sie dann als Erwachsene abermal sabgewehrt, abgewertet und stigmatisiert werden und das Geschehene bagatellisiert oder gar dementiert wird, werden sie erneut von Familie, der Gesellschaft und ihren Institutionen im Stich gelassen.
