Ohne uns ist’s immer noch still

Ein Jubiläum sollte ein Grund zum Feiern sein. In diesem Fall ist es das Gegenteil, denn es gibt keinen Grund und einen Ort aktuell auch nicht.
Seit dem 16.03.2020 ist es still geworden in Deutschland: Keine Konzerte mehr, die Clubs, Hallen und Kulturzentren wurden auf unbestimmte Zeit geschlossen. Schon am 13.03.2020 haben viele Münchner Spielstätten und Clubs ihre Türen geschlossen um dem sich ausbreitenden Virus keine weitere Angriffsfläche zu bieten. Seitdem wurden Hygienekonzepte erstellt, OpenAir-Pläne und Öffnungskonzepte geschrieben und Kampagnen gestartet. Doch jetzt, ein Jahr später, stehen viele Bereiche die Kultur- und Veranstaltungsbranche immer noch auf Wiedervorlage für die jeweils nächste Ministerpräsidentenkonferenz.
Die Gitarren jaulten nicht mehr, die Drums polterten nicht und schon lange hingen die Fans nicht mehr gebannt an den Lippen der Sänger\innen, um jede Zeile laut mitzusingen und gemeinsam eng an eng durch die Clubs zu tanzen. Trotz großer Einbußen haben die Kulturveranstalter\innen die Maßnahmen der Regierung nicht nur mitgetragen, sondern zum Teil sogar strenger umgesetzt als nötig, um Verantwortungsbewusstsein zu zeigen. Dank erster Lockerungen und diverser Hilfsmaßnahmen gab es im Sommer 2020 eine erste Erleichterung nach dem Lockdown. Trotzdem verhinderten starke Beschränkungen der Besucherkapazitäten in Spielstätten nach wie vor eine wirtschaftliche Machbarkeit von Events. Für Kulturschaffende wurde die Lage in den letzten zwölf Monaten von Woche zu Woche angespannter, die Geldreserven schwinden nach wie vor täglich und sie verlieren vor allem mit jeder Woche, die vergeht, ein bisschen mehr an Sichtbarkeit. Vor diesem Hintergrund rief der Verband der Münchener Kulturveranstalter e.V. (VDMK) am 7. Juli 2020 zur Aktion „Ohne uns ist’s still“ auf. Festgehalten mit einem Fotoshooting entstand daraus eine vielbeachtete Plakataktion mit knapp 100 Vertreter\*innen der Branche, die bis heute nachwirkt und die über Hannover und Osnabrück mittlerweile in beinah 50 Städten in Deutschland unter dem Titel Kulturgesichter aufgegriffen wurde und über 5.000 Kulturgesichter aus allen Bereichen der Branche zeigt.

