Dann bauen sie gemeinsam riesige Türme aus Bauklötzen, spielen spannen-de Fußballmatches „oder lernen ganz neue Spiele, die uns die Kids erst bei-bringen müssen“, so Mirlach. Wenn mehr Ruhe gefragt ist, basteln sie ge-meinsam Papierflieger, malen Kunstwerke oder halten die neuen Freund-schaftsbande, die sie dort knüpfen, in Fotocollagen fest. „Wir wissen nie vor-her, was uns erwartet und das ist ja das Schöne daran“, sagt Greil. „Unsere Spielaktion lebt von den Kindern, die hier ankommen. Und auch wenn sie nur für kurze Zeit da sind, erleben sie etwas Einmaliges, eine Auszeit vom Alltag.“
Seit den ersten Tagen am Messegelände Riem ermöglicht das KJR-Team den Kindern ein bisschen Normalität, ein bisschen Kindheit und das Recht auf Spiel. Im Juli zog das Ankunftszentrum ins ehemalige Goethe-Institut in der Dachauer Straße, dort liegt heute der Schwerpunkt der KJR-Spielaktion. Seit Ende August sind die Spielbegleiter\innen sogar täglich vor Ort, sieben Tage die Woche. Dank vieler ehrenamtlicher Helfer\innen konnten Kinder nicht nur dort, sondern auch in anderen Unterkünften in der ganzen Stadt Spielspaß und kleine Highlights erleben.
In der Unterkunft an der Neuherbergstraße zum Beispiel bieten Freiwillige mindestens einmal wöchentlich ein buntes Programm von Perlenketten bas-teln über Schminken bis zur Schnitzeljagd, bei der Kinder sich als Gewinn ei-genes Spielzeug erspielen können. Möglich machen das dort die „Students for Children“, gemeinsam mit Pädagoginnen und Pädagogen aus dem Kinder-haus und JugendtreffAusflugszielKinder- und Jugendtreff ZeitFrei Harthof.
Die Helfer\*innen zeigen den Kindern nahegelegene Freizeiteinrichtungen und geben Infos zu Sportvereinen. „Wir haben schon Kinder und Eltern von fast al-len Münchner Unterkünften in benachbarte Freizeitstätten begleitet“, sagt Mir-lach. Das soll ihnen den Weg aus der Unterkunft heraus erleichtern und sie mit ihrem Stadtviertel bekannt machen.
Mit den Kids aus der Dachauer Straße brechen sie wöchentlich zur Oase NeuhausenAusflugszielSpielhaus am WestkreuzDas Spielhaus am Westkreuz in München ist ein Ort für kreatives Spielen und Basteln in der Stadt. Schulkinder können sich hier drinnen austoben und ihre Fantasie ausleben. auf, die sowohl einen Abenteuerspielplatz
ArtikelDer TollplatzEin Platz zum draußen spielen als auch einen Jugend-treff bietet. „Die anfängliche Schüchternheit der Geflüchteten und auch der anderen Kinder und Jugendlichen vor Ort haben wir mit selbstgemachten Spi-ralpommes oder Popcorn überwunden und ganz großartige, gemeinsame Stunden verbracht“, berichtet Mirlach.
Wie sehr die Kinder und Jugendlichen die Zeit genießen, merken die Spielbe-gleiter\*innen spätestens, wenn das unbeschwerte Spiel am Ende des Tages vorbei ist und sie das Material aufräumen wollen. Und wenn sie dabei manchmal „kaum gegen den Spieldrang von zehn Kindern ankommen, die sich am Trampolin festgehängt haben“, berichtet Greil lächelnd. Er und die anderen werden von den ukrainischen Kindern Spiele-„Djadko“ genannt, ukra-inisch für „Onkel“, also Spiele-Onkel oder -Tanten.
Auch die Stadt schätzt das Engagement und die Angebote des KJR für die uk-rainischen Geflüchteten. Und sie geht inzwischen davon aus, dass diese noch eine ganze Weile notwendig sein werden. Daher hat der Stadtrat für die Jahre 2023 und 2024 jeweils 170.850 Euro bewilligt. Trotz dieser Mittel lebt die Spielaktion ganz wesentlich von den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, ohne die die meisten Angebote nicht möglich wären. Mirlach und Greil suchen daher weiterhin nach Freiwilligen, die geflüchteten Kindern und Jugendlichen Freude schenken wollen. Sie sind per E-Mail unter der – noch zu Messe-Zeiten eingerichteten – Adresse [email protected] erreichbar.