Was ein Tier unserer Familie wirklich gibt


In Kürze feiert Deutschland gleich zweimal dasselbe Thema: am 4. Oktober den Welttierschutztag, am 10. Oktober den Welthundetag – als hätte sich der Festkalender selbst nicht getraut, mit einem einzigen Tag auszukommen. Für mehr als vier von zehn deutschen Haushalten ist das ohnehin kein Grund zum Feiern, sondern einfach Alltag: Sie leben mit mindestens einem Tier, das morgens zuerst wach ist und abends zuletzt einschläft. Und genau in dieser Woche lohnt sich ein Blick auf eine Wahrheit, die in jedem Tierheim zu besichtigen ist, ob nun gefeiert wird oder nicht: Ein Tier ist kein Kuscheltier, das man sich holt, wenn gerade Zeit dafür ist, und zurückgibt, wenn sie wieder fehlt. Es ist ein Lebewesen – mit eigenem Willen, eigenen Bedürfnissen und einer Lebenserwartung, die sich nicht nach dem nächsten Kalenderjahr richtet, so unpraktisch das manchmal ist.
Die Lehre aus der Pandemie
2020 kamen laut dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands rund 1,6 Millionen mehr Hunde und Katzen in deutsche Wohnzimmer als im Jahr zuvor. Homeoffice und Lockdown machten den Welpen im Garten und die Katze neben dem Laptop plötzlich praktikabel – der Hund war, mit Verlaub, das Sauerteigbrot jenes Jahres: ein Trostprojekt für eingesperrte Menschen, nur mit Herzschlag statt Anstellgut. Was damals nach einer schönen Idee aussah, zeigte sich wenige Jahre später von seiner anderen Seite: Tierheime berichteten, als Büro und Kita wieder zur Normalität wurden, von spürbar mehr Abgaben – oft mit denselben Begründungen: keine Zeit mehr, der Alltag passe nicht mehr, die Tierarztrechnung sei zu hoch geworden, und dem Hund fehle es an Erziehung, weil die Hundeschulen während der Pandemie geschlossen waren. Ein Sauerteigansatz lässt sich entsorgen, ohne dass es jemand merkt. Ein Hund nicht.




