Elternliebe kennt keine Entfernungen
Die Initiative „Mein Papa kommt“ bietet diesen Eltern Unterstützung.

Eltern wollen für ihr Kind da sein. Ohne Wenn und Aber. Auch nach einer Trennung.
Für Trennungsfamilien ist es besonders schwierig, wenn die Eltern nicht mehr am gleichen Ort wohnen. Häufig reisen Vater oder Mutter regelmäßig stundenlang an, um ihr Kind zu sehen. Die Initiative Mein Papa kommt bietet diesen Eltern Unterstützung. Die dreijährige Laura hatte nach der Trennung ihrer Eltern mehrere Ortswechsel erlebt. Die Treffen mit ihrem Papa konnten dennoch kontinuierlich stattfinden, denn Vater Manuel fand überall – in Berlin, in Hamburg und Lübeck – Gastgeber, die ihn während der Papa-Tage an den Wochenenden beherbergten. Die Gastgeber hatte er über die Initiative „Mein Papa kommt“ gefunden.
Jedes Jahr erleben über 130.000 Kinder in Deutschland die Trennung ihrer Eltern. Oft leben die Kinder dann weit entfernt von ihrem Papa oder ihrer Mama. Wenn das eigene Kind nach einer Trennung weit entfernt wohnt, ist es nicht einfach, einen engen Kontakt beizubehalten und eine intensive Bindung aufzubauen. Für viele anreisende Eltern ist das finanziell und emotional eine große Herausforderung. Längst nicht jeder Vater oder jede Mutter kann sich die finanziellen Mehrbelastungen leisten, weil die abendliche Heimfahrt nach dem Umgangstag angesichts der Entfernungen nicht mehr möglich ist. Oft verfügen die Eltern auch nicht über ein unterstützendes Netzwerk von Familie und Freunden am Wohnort des Kindes.
Die Gefahr, die Nähe zum Kind zu verlieren, ist groß.Fernbeziehungen sind kein Kinderspiel „Mein Papa kommt“ hilft dabei – und richtet sich nicht nur an getrennt lebende Väter, sondern ganz klar auch an getrennt lebende Mütter.
Die Idee dahinter: Ehrenamtliche Gastgeber am Wohnort des Kindes bieten einen Übernachtungsplatz an, damit Papas oder Mamas die eigenen Kinder öfter sehen können und der Umgang gesichert ist. Für den Tag bietet die Initiative sogenannte Kinderzimmer auf Zeit an. Das sind Spielzimmer bei privaten Gastgebern, kooperierenden Kindergärten und Familienzentren. Denn am Wochenende stundenlang mit einem Kind draußen unterwegs zu sein, geht nicht nur richtig ins Geld, sondern ist auch für eine qualitätsvolle gemeinsame Zeit nur bedingt geeignet.
Kinder brauchen nicht nur Zoobesuche und aufregende Schwimmbad-Tage, sondern auch Rückzug und vertraute Räume, um sich geborgen zu fühlen.Die Idee hatte die Religionspädagogin Annette Habert in 2008, als sich ihr der kleine Sven aus München mit seiner Bedürftigkeit und seinem Trennungsschmerz anvertraute. Sein Vater schlief im Auto, wenn er am Umgangswochenende von weither anreiste. Die Kosten für die Übernachtung in einem Hotel konnte er sich nicht leisten. Die Vorstellung, dass ein Kind nach dem Papa-Tag mit dem Wissen einschläft, dass sein Vater draußen auf dem Parkplatz übernachtet, hatte Annette tief betroffen gemacht. Sven hatte einfach damit gerechnet, dass es für seine Sehnsucht nach Verbundensein doch irgendwen in der Welt geben würde, der ein Hoffnungsträger für neue Lösungen in seiner Familie sein könnte. Annette Habert vermittelte den Vater monatlich an einen ehrenamtlichen Gastgeber am Wohnort von Sven. Bald merkte sie, dass die familiäre Situation des Jungen kein Einzelfall war und vermittelte bundesweit weitere Väter.





