Ganztag in Oberbayern: Warum ausgerechnet hier so wenige Eltern zugreifen


Seit dem 1. August gilt er: der gesetzliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Bundesweit ist er als Fortschritt gefeiert worden – als das Ende der Frage, ob Eltern Beruf und Familie überhaupt vereinbaren können. In Oberbayern zeigt sich ein anderes Bild. Während Thüringen und Brandenburg über 90 Prozent der Grundschulkinder schon heute ganztägig betreuen, kommt Bayern insgesamt nur auf 59,5 Prozent. Und ausgerechnet in der wirtschaftsstärksten Region des Freistaats, im Speckgürtel zwischen München, Rosenheim und dem Landkreis Miesbach, wünschen sich vergleichsweise wenige Eltern überhaupt den vollen Ganztag.
Das ist kein Zufall der Statistik. Es hat mit etwas zu tun, das in kaum einer politischen Debatte über den Rechtsanspruch vorkommt: der Arbeitsrealität der Eltern selbst.
Die Zahl, die zuerst überrascht
Der Bayerische Landkreistag beziffert den aktuellen Ausbaustand mit rund 60 Prozent, das Ziel liegt bei 80 Prozent. Damit bewegt sich Bayern im bundesweiten Vergleich am unteren Ende der westdeutschen Flächenländer – weit hinter den ostdeutschen Bundesländern und Hamburg, wo die Betreuungsquote seit Jahren über 75 Prozent liegt.

