Immer höhere Autos – ein unsichtbares Risiko für Kinder
Immer höhere Motorhauben bei SUVs gefährden Kinder im Straßenverkehr – sie werden für Autofahrer oft unsichtbar. Erfahre, wie groß das Risiko wirklich ist und wie Eltern ihre Kinder schützen können.

In den letzten Jahren hat sich das Straßenbild stark verändert: Immer mehr SUVs dominieren unsere Straßen. Was viele Eltern nicht wissen: Mit dem wachsenden Fahrzeugformat wächst auch die Gefahr für Kinder im Straßenverkehr. Eine aktuelle Studie des Europäischen Verbands für Verkehr und Umwelt (T&E) zeigt: Die Motorhauben neuer Autos werden jedes Jahr im Durchschnitt um einen halben Zentimeter höher – mit dramatischen Folgen.
Besonders besorgniserregend: Bei den höchsten Modellen auf dem Markt können Fahrer selbst Kinder im Alter von neun Jahren nicht mehr sehen, wenn diese direkt vor dem Auto stehen. Für kleine Kinder, aber auch für Rollstuhlfahrer und Fußgänger insgesamt, bedeutet das: Lebensgefahr.
Die Zahlen sprechen für sich
Laut Studie liegt die durchschnittliche Motorhaubenhöhe bei Neuwagen in Europa inzwischen bei 83,8 cm – 2010 waren es noch 76,9 cm. In Deutschland ist der Anstieg ähnlich: Von 76,5 cm im Jahr 2020 auf 82,3 cm im Jahr 2024. Der Grund: Der Boom bei SUVs – deren Anteil am Neuwagenmarkt stieg in Europa von 12 Prozent (2010) auf ganze 56 Prozent (2024).
Besonders tragisch ist, dass hohe Motorhauben nicht nur die Sicht einschränken, sondern bei Unfällen deutlich gefährlicher sind. Denn sie treffen Fußgänger und Radfahrer oft oberhalb ihres Körperschwerpunkts – dort, wo sich lebenswichtige Organe befinden. Studien zeigen: Eine Motorhaube, die zehn Zentimeter höher ist, erhöht das Sterberisiko für ungeschützte Verkehrsteilnehmer um 27 Prozent.
„Fahrende tote Winkel“ – eine deutliche Warnung
Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland, findet klare Worte:
„Autos mit sehr hohen Motorhauben sind fahrende tote Winkel. Sie sind eine Gefahr für viele: Fußgänger, Radfahrer, Menschen in kleineren Autos und vor allem Kinder und Rollstuhlfahrer.“
Besonders erschreckend ist ein Beispiel aus der Studie: Der Fahrer eines Dodge Ram TRX – dem Fahrzeug mit der höchsten Front auf Europas Straßen – kann ein Kind bis neun Jahre, das direkt vor dem Wagen steht, nicht sehen. Beim Land Rover Defender liegt die Grenze bei viereinhalb Jahren. Diese Autos rollen durch unsere Städte – oft unbemerkt gefährlich.






