Teils richtig, teils kräftig übertrieben – und vor allem eine Rechenaufgabe, die man vor dem Kauf machen sollte. Hersteller werben häufig mit Einsparungen von 20, manchmal sogar bis zu 30 Prozent. Unabhängige Tests kommen auf deutlich bescheidenere Werte: Stiftung Warentest hat elf smarte, app-gesteuerte Heizkörperthermostate geprüft (Geräte zwischen 44 und 110 Euro) und rechnet in einem Beispiel mit einer realistischen Ersparnis von rund fünf bis acht Prozent der Heizkosten – bei 1.000 Euro Jahresheizkosten für eine 70-Quadratmeter-Wohnung wären das etwa 50 bis 80 Euro im Jahr.
Wie stark ein smartes Ventil tatsächlich spart, hängt vor allem davon ab, wie diszipliniert vorher schon geheizt wurde. Der Fachverband ZVSHK wird in einem Bericht von inFranken.de mit der Einschätzung zitiert, wer schon jetzt abends herunterdrehe, spare mit dem smarten Ventil kaum noch etwas dazu; ein Technikjournalist des Fachmagazins c't wird im selben Bericht noch deutlicher und hält die pauschale Spar-Erwartung bei vernünftigem Heizverhalten für übertrieben.
Und dann ist da der Preis. Ein einzelnes smartes Heizkörperventil kostet je nach Hersteller rund 40 bis 110 Euro. Bei vielen Systemen kommt ein Hub oder eine Bridge für weitere 50 bis 100 Euro dazu, ohne den die App-Steuerung gar nicht funktioniert. Bei einem Einfamilienhaus mit acht bis zwölf Heizkörpern kommen so schnell 400 bis über 700 Euro zusammen – bei manchen Herstellern zusätzlich noch ein Abo ab rund vier Euro im Monat für Zusatzfunktionen wie automatische Anwesenheitserkennung oder die Erkennung offener Fenster. Stiftung Warentest kam in einer eigenen Beispielrechnung für vier Räume plus Zentrale auf eine Amortisationsdauer von fünf bis sechs Jahren.
Zum Vergleich: Ein einfaches, nicht smartes, programmierbares Thermostat ohne App und ohne Internetanbindung kostet oft nur 15 bis 25 Euro pro Heizkörper und erreicht nach Angaben von Umweltbundesamt und co2online bereits einen Großteil der möglichen Einsparung (siehe Mythos 2). App-Steuerung, Energie-Dashboard am Handy und Fernsteuerung aus dem Urlaub sind also in erster Linie Komfortfunktionen – nicht der Hauptgrund für niedrigere Heizkosten.
Für Familien heißt das: Ein smartes System kann sich lohnen, vor allem in schlecht gedämmten Altbauten oder wenn ohnehin niemand im Haushalt zuverlässig manuell nachjustiert. Wer schon diszipliniert heizt und lüftet, bekommt mit einem einfachen programmierbaren Modell für einen Bruchteil des Preises einen ähnlichen Effekt. Ein Punkt zur Vorsicht beim Kauf: Bei einem von elf getesteten Geräten stellte Stiftung Warentest einen unzureichenden Frostschutz fest – ein Risiko für geplatzte Rohre bei längerer Abwesenheit im Winter –, und nur zwei der elf Modelle ließen sich im Test leicht bedienen.