Diese Frage, ob Mütter anders damit umgehen ist wirklich schwer zu beantworten. Sie haben andere Voraussetzungen, weil sie körperlich viel mehr eingebunden sind und Schwangerschaft und Geburt am eigenen Leib erlebt haben, während die Schwangerschaft für den Partner manchmal sogar noch etwas abstrakt war. Grundsätzlich glaube ich aber, dass alle Menschen unterschiedlich und individuell trauern und das trifft auf die Partnerschaft natürlich genauso zu. Ich mag es nicht gerne, pauschal von den Vätern oder den Müttern reden. Ich erlebe es aber zunehmend, dass Paare gemeinsam in die Sternenkindersprechstunde kommen und die Väter das Angebot für Gespräche und Aufarbeitung gerne nutzen.
ZM: Neben den betroffenen Eltern weiß das Umfeld meist auch nicht, wie sie mit Sterneneltern umgehen sollen. Hast Du ein paar „Verhaltenstipps“ oder Hilfen, wie reagiert werden soll?
Ich frage die Eltern und Mütter in den Kursen immer wieder, welche Menschen für sie hilfreich waren und was diese richtig gemacht haben. Wichtig ist vor allem:
\* Worte finden, statt wegschauen: die Mehrheit im Umfeld sagt lieber nichts aus Angst das Falsche zu sagen, und geht den Trauernden sogar aus dem Weg. Trauernde Eltern fühlen sich dadurch aber oft allein gelassen und in ihrer Trauer nicht ernst genommen. Wenn die Worte fehlen oder man nicht weiß, ob der Trauernde darüber sprechen will, dann hilft es immer ehrlich zu sein „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.“ Und „Willst du reden oder willst du lieber alleine sein?“
\* Die Eltern, die ich erlebe, wollen mehrheitlich von ihren Kindern und Schwangerschaften erzählen. Ich würde das Umfeld ermutigen, die Eltern zu fragen, ob sie denn erzählen wollen. Und wenn nicht, dann bitte nicht beleidigt sein, - es kann auch einfach der falsche Tag oder Moment gewesen sein. Wenn man eine grundsätzliche Bereitschaft wahrnimmt, gern noch mal nachfragen.
\* Das aufnehmen, was die Eltern anbieten: Wenn Eltern den Namen ihres Sternenkindes mitteilen, dann ist es schön, das aufzugreifen und den Namen auch zu verwenden und nicht nur fragen „willst du DAVON erzählen“, „wie war ES?“
\* Unterschiedliche Trauer akzeptieren: Jeder geht anders mit Trauer um. Es kann auch sein, dass jemand nicht sprechen will, dass er nichts von seinem Kind erzählen will und lieber alleine ist. Wichtig ist, den Trauernden so beizustehen, wie sie es brauchen und fordern.
\* Konkrete Hilfe anbieten: Manchmal reicht es, die Eltern bei ganz banalen Tätigkeiten des Alltags zu unterstützen, z.B. mit Essen, mit Besorgungen. Gerade so banale Tätigkeiten verlangen den Trauernden nämlich oft viel ab, weil sie so „sinnlos“ erscheinen. Konkrete Hilfe nützt mehr als Angebote, bei denen das „To-Do“ dann doch wieder beim Trauernden liegt, also statt „melde dich, wenn du was brauchst“ einfach sagen „was wollt ihr heute essen - ich bring es euch vorbei“ oder „Was kann ich euch konkret abnehmen“.
\* Keine Horrorgeschichten erzählen à la „Ich kenne da eine, die hat das dreimal erlebt, aber jetzt hat sie zwei gesunde Kinder" - davon bleibt nur hängen, dass man noch mal einen Verlust erleben könnte und ist nicht hilfreich.
\* Auf Platz 1 der besten und hilfreichsten Verhaltensweisen ist: Einfach da sein und zuhören, ohne zu beschwichtigen, ohne eigene Geschichten zu erzählen, ohne zu trösten, ohne zu sagen „jetzt wein doch nicht“ - sondern den Schmerz, der da ist, einfach mal aushalten.
\* Und zusätzlich gilt: Dranbleiben! Denn wenn scheinbar alle wieder zum Alltag übergegangen sind und keiner mehr über das Kind spricht, ist es für die Eltern eben noch nicht vorbei. Wer dann noch immer da ist und nachfragt, ist besonders viel wert. Das gilt auch für wichtige Gedenktage, wie den Worldwide Candlelighting Day oder den ersten Sternengeburtstag.