Wenn nach der Geburt nicht nur Glück da ist: Depression, Angst und Psychose im Wochenbett


Die ersten Wochen mit Baby sollen anstrengend sein, aber schön. Bei vielen Müttern kommt zur Erschöpfung noch etwas anderes hinzu: eine Traurigkeit, die nicht vergeht, eine Angst, die sich nicht abschalten lässt, oder – seltener, aber ernst – ein Zustand, in dem die Realität ins Wanken gerät. Das ist keine Ausnahme und kein Versagen. Es ist eine der häufigsten Komplikationen rund um die Geburt – und eine, über die zu wenig gesprochen wird.
Was ist der Unterschied zwischen Babyblues und Wochenbettdepression?
Der sogenannte Babyblues ist die mildere, sehr verbreitete Variante: Er betrifft schätzungsweise die Mehrheit aller frischgebackenen Mütter, beginnt meist wenige Tage nach der Geburt und klingt in aller Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen von selbst wieder ab. Typisch sind Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, plötzliche Traurigkeit oder Weinen ohne klaren Anlass – vermutlich eine Reaktion auf den raschen Hormonabfall nach der Geburt. Der Alltag mit dem Baby lässt sich trotzdem meistens bewältigen.
Die Wochenbettdepression (fachlich: postpartale Depression, PPD) ist etwas anderes. Sie hält länger an – oft Wochen bis Monate –, kann jederzeit im ersten Jahr nach der Geburt beginnen und beeinträchtigt spürbar, wie eine Mutter ihren Alltag bewältigt. Kennzeichen sind eine gedrückte Stimmung oder ein Verlust an Freude über einen längeren Zeitraum, dazu häufig Schuldgefühle, das Gefühl, keine gute Mutter zu sein, Konzentrationsprobleme, veränderter Schlaf und Appetit sowie Antriebslosigkeit. In schweren Fällen können auch Gedanken an den Tod auftreten. Wichtig zu wissen: Eine Depression ohne psychotische Symptome geht nicht mit Wahnvorstellungen einher – auch wenn das Selbstbild dabei sehr verzerrt sein kann.

