Warum Kinder Bücher brauchen: Vorlesen ab welchem Alter, wie oft und mit welchen Büchern
Warum Vorlesen alles verändert, welche Bücher in welchem Alter passen und was du tun kannst, wenn dein Kind nicht zuhört.
RZ
Redaktion Zwergerl
27. Juli 2020·8 Min.
Warum Kinder Bücher brauchen: Vorlesen ab welchem Alter, wie oft und mit welchen Büchern
Wenn du weißt, dass Vorlesen wichtig ist, aber es einfach nicht klappt
Es gibt kaum einen Erziehungsratschlag, der so oft gegeben wird und so selten funktioniert wie „lesen Sie Ihrem Kind vor". Alle sagen es, alle Kinderärztinnen bestätigen es, alle Studien belegen es. Und trotzdem sitzt du abends mit einem müden Kind auf dem Sofa, das nach zwei Seiten schon wieder wegdreht und mit den Beinen zappelt, und denkst: warum kriege ich nicht mal das hin?
Vielleicht liegt das nicht an dir. Vielleicht ist VorlesenArtikelWarum ist das Vorlesen so wichtig?Rund 32 Prozent der Eltern lesen ihren Kindern selten oder nie vor. Besonders bedenklich ist dies in der Phase, bevor die Kinder in die Schule kommen. Der Mangel an Vorleseerfahrungen kann einen nachhaltigen Einfluss auf ihre Lesekompetenz haben. einfach etwas, das man ein bisschen anders angehen muss, als es die Broschüren beschreiben. Nicht die tägliche Gute-Nacht-Vorlesestunde ist das Ziel. Sondern zu wissen, welches Buch gerade in welche Lebensphase passt, wie viel wirklich reicht und was du tust, wenn dein Kind sich für Bücher nicht interessiert.
Dieser Artikel ist konkret. Nach Alter sortiert. Mit Buchempfehlungen. Und mit einem ehrlichen Blick auf die Fälle, in denen Vorlesen einfach nicht das Richtige ist.
Was mit einem Kind passiert, dem regelmäßig vorgelesen wird
Studien der Stiftung Lesen und internationaler Bildungsforschung sind sich in einem Punkt einig: Vorlesen ist eine der wirksamsten Bildungsmaßnahmen, die Eltern selbst leisten können. Was ein Kind daraus mitnimmt:
Wortschatz. Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, haben mit sechs Jahren durchschnittlich einen deutlich größeren Wortschatz als Gleichaltrige. Das ist die Basis für alles Weitere in der Schule.
Konzentration. Ein Kind, das gelernt hat, einer Geschichte fünfzehn Minuten zu folgen, kann sich auch in der Schule leichter länger auf eine Aufgabe konzentrieren.
Empathie. In Geschichten schlüpfen Kinder in fremde Figuren, erleben deren Gefühle, verstehen deren Motive. Das schult die Fähigkeit, Perspektiven zu wechseln.
Nähe. Vorlesen ist ein Ritual von Ruhe. Das Kind liegt bei dir, hört deine Stimme, du nimmst dir Zeit. Bindungspsychologisch ist das wertvoll.
Lesevorbereitung. Kinder, denen vorgelesen wird, entwickeln früh ein Verständnis dafür, dass Buchstaben Wörter ergeben, dass Geschichten Aufbau haben, dass Bücher etwas Faszinierendes sind. Sie lernen später leichter selbst lesen.
Wichtig zu verstehen: keiner dieser Effekte entsteht durch dreißig Minuten Vorlesen pro Tag. Sie entstehen dadurch, dass Bücher ein normaler Teil des Alltags werden. Wie Zähneputzen, wie das Anziehen der Schuhe. Nicht als Pflicht, sondern als Selbstverständlichkeit.
Welche Bücher passen wann
Ab dem ersten Lebensjahr: Pappbilderbücher, die das Baby selbst in die Hand nehmen darf. Kein Text nötig, das Bild ist die Geschichte. Klassiker: Alles, was von Helen Oxenbury, Rotraut Susanne Berner (WimmelbücherAusflugszielPuks - die interaktiven, digitalen Kinderbücher) oder Eric Carle stammt.
Zwischen einem und zwei Jahren: Bilder mit kurzem Text. Das Kind zeigt auf Bilder, du benennst. „Wo ist der Hund? Wo sind die Blumen?" Die berühmten „Bobo Siebenschläfer"-Bücher gehören hierher. Auch „Der kleine Raupe Nimmersatt" bleibt für viele Kinder ein Einstiegsbuch.
Zwei bis vier Jahre: Erste einfache Geschichten mit Handlung. Bücher wie „Die kleine Raupe Nimmersatt", „Der Regenbogenfisch", „Der Grüffelo", „Die Häschenschule" laufen fast überall. Auch „Pixi-Bücher" (klein, günstig, überall verfügbar) haben in diesem Alter ihre Berechtigung.
Vier bis sechs Jahre: Längere Geschichten, mehr Text. Klassiker wie „Frederick" von Leo Lionni, „Der Räuber Hotzenplotz" von Otfried Preußler, „Petterson und Findus". Erste einfache Kapitelbücher zum Vorlesen. Und wenn ein Kind besonderes Interesse für ein Thema hat (Bagger, Dinosaurier, Pferde), sind Sachbücher in diesem Alter oft ein Türöffner.
Sechs bis acht Jahre: Erstlese-Bücher zum Selberlesen, und parallel weiter Vorlesen von längeren Geschichten. „Fünf Freunde", „Die kleinen Erdmännchen", „Der kleine Drache Kokosnuss". Bibi Blocksberg, Bibi und Tina, Benjamin Blümchen als HörbücherAusflugszielWarzenbuckels Fabelwesen.
Ab acht Jahren: Erste Bandbücher wie „Gregs Tagebuch", „Warrior Cats", „Die drei ???". Jetzt beginnt viele Kinder das eigene Bücherlesen ernsthaft.
Ab zehn bis zwölf Jahren: Jugendliteratur beginnt. Auch hier kann Vorlesen abends noch schön sein, wenn ihr das als Familie beibehaltet. Das ist zumindest bei manchen Familien so, und wo es so ist, prägt es ein Leben lang.
Wenn dein Kind nicht zuhören will
Der Klassiker: du sitzt mit dem Buch da, dein Kind zappelt nach zwei Seiten. Das ist normal und heißt nicht, dass dein Kind kein Bücher-Kind wird. Ein paar konkrete Wege:
Kürzere Einheiten wählen. Zwei Minuten sind okay. Drei Minuten sind okay. Erwarte am Anfang nicht mehr. Dein Kind lernt, was Zuhören ist. Das braucht Übung.
Zum richtigen Zeitpunkt. Vorlesen kurz vor dem Zubettgehen ist bei manchen Kindern perfekt, bei anderen entsteht Chaos, weil sie schon zu müde sind. Probier das Vorlesen mal am Nachmittag nach dem Kindergarten, wenn dein Kind ausgeruht ist.
Bilderbuch statt Textbuch. Ein zappeliges Kind kann sich an einem Wimmelbild verlieren. Reines Vorlesen ohne Bilder ist meist erst ab drei bis vier Jahren realistisch.
Bewegung erlauben. Dein Kind darf beim Zuhören auf dem Sofa hüpfen, mit Legosteinen bauen, sich hin und her rollen. Vorlesen ist kein Konzentrationstraining, es ist ein gemeinsames Erlebnis.
Interaktiv werden. Statt einfach vorzulesen, frag zwischendurch: „Was denkst du, was jetzt passiert?" Oder: „Warum ist die Maus jetzt so traurig?" Das Kind wird mitgenommen, statt zugeschüttet.
Wähle Bücher, die dein Kind ausgesucht hat. Auch wenn ihr das dritte Mal in Folge dasselbe Buch lest. Wiederholung ist für Kinder ein Erlebnis. Sie freuen sich darüber, dass sie die Geschichte kennen, und sie merken sich bei jedem Mal Neues.
Wenn dein Kind wirklich kein Interesse hat
Es gibt Kinder, die auch mit fünf noch keine Freude an Büchern entwickelt haben. Das ist selten, aber es gibt sie. Kein Grund zur Panik, aber ein Grund, andere Wege zu Sprache und Fantasie zu öffnen:
Hörbücher. Nicht Bildschirm-Ersatz, sondern Sprach-Erlebnis. Ein Kind, das am Wickeltisch oder beim Bausteine-Spielen die Bibi-Blocksberg-Geschichte hört, verarbeitet Sprache genauso wie eins, dem vorgelesen wird.
Erzählen statt Lesen. Erzähl deinem Kind Geschichten aus deinem Kopf. Deine Kindheit, ein fantasievolles Abenteuer, was heute im Kindergarten passiert ist. Das ist manchmal noch näher als vorlesen.
Bilderbücher ohne Text. „Wo ist Walter?", die Wimmelbücher von Rotraut Susanne Berner. Die haben keinen Text, sie sind pure Bilder-Erforschung. Für viele nicht-lesende Kinder ein Zugang.
Sachbücher zu Interessen. Ein Kind, das nicht an Grüffelo interessiert ist, ist vielleicht an Bagger-Büchern interessiert. Nutze das.
Bibliothek besuchenAusflugszielKinder- und Jugendbibliothek Am GasteigKinder- und Jugendbibliothek Am Gasteig in Munich ist ein kulturelles Ziel für Familien.. In fast jeder Gemeinde gibt es eine Bücherei mit Kinderabteilung. Dorthin gehen, stöbern, zufällig aussuchen, was gefällt. Bücher als Erlebnis, nicht als Aufgabe.
Wie oft ist genug
Wenn du an die perfekten Familien denkst, die abends immer eine halbe Stunde Bücher lesen, denk lieber an das, was in echten Familien tatsächlich passiert. Für die meisten Kinder reicht:
Drei- bis viermal die Woche jeweils fünf bis zwanzig Minuten Vorlesen.
Bücher, die zugänglich im Kinderzimmer stehen.
Eltern, die selbst lesen (das prägt mehr als jedes „lies doch mal!").
Ein Ritual, das für euch passt (vor dem Zubettgehen, am Sonntagvormittag, beim Frühstück, egal).
Das ist erreichbar und wirksam. Perfektionismus schadet mehr, als er nutzt.
Bibliotheken und Vorlesetage in der Region
In fast jeder Gemeinde im Zwergerl-Land gibt es öffentliche Büchereien mit Kinderabteilung. Der Jahresausweis ist meist kostenlos für Kinder oder kostet wenige Euro. Häufige Angebote: Vorlese-NachmittageAusflugszielLive gelesen mit ..., Themen-Kisten (alle Bücher zu einem Thema, direkt zum Mitnehmen), Bücherflohmärkte.
Der bundesweite Vorlesetag (jedes Jahr am dritten Freitag im November) ist ein guter Anlass, in die Bücherei zu gehen, weil oft Extra-Angebote stattfinden.
Häufige Fragen
Ab wann sollte ich anfangen vorzulesen? Am besten schon in den ersten Monaten. Auch ein Säugling, der die Wörter nicht versteht, nimmt Stimme, Rhythmus und Nähe wahr. Das hat einen bindungspsychologischen Wert und öffnet den Zugang zu Büchern früh.
Wie lange sollte eine Vorlese-Einheit dauern? Bei Babys unter einem Jahr: ein bis drei Minuten. Bei Kleinkindern: fünf bis zehn Minuten. Ab dreieinhalb Jahren: fünfzehn bis zwanzig Minuten. Das ist Richtwert, nicht Vorschrift. Was dein Kind mitgeht, gilt.
Ist Vorlesen mit einem Kindle oder Tablet genauso gut? Für sehr junge Kinder deutlich schlechter. Die Interaktion (mit dem Buch in der Hand, Blätter umschlagen, aufs Bild zeigen) ist Teil des Lernvorgangs. Ab dem Schulalter sind digitale Bücher okay.
Was, wenn ich selbst nicht gerne lese und mich beim Vorlesen unwohl fühle? Das ist ehrlich und ein guter Ansatzpunkt. Ein Kind merkt, ob du Freude hast. Fang mit Büchern an, die dich selbst amüsieren. „Der Grüffelo" ist zum Beispiel für viele Eltern ein Buch, das auch beim zwanzigsten Mal Spaß macht. Oder Sachbücher zu Themen, die dich interessieren.
Sind Bücher wirklich besser als Fernsehen? Ja, für die Sprachentwicklung eindeutig. Beim Buch entstehen Bilder im Kopf des Kindes, beim Fernsehen werden sie fertig geliefert. Das ist ein Unterschied für die Fantasie. Trotzdem: gelegentliches Fernsehen mit Kind ist keine Katastrophe. Die Mischung macht es.
Wie finde ich raus, welches Buch zu meinem Kind passt? Bibliothekarinnen und Buchhändlerinnen sind darin sehr gut. Beschreib das Alter, die Interessen und den bisherigen Lesestand, und du bekommst passende Vorschläge. Oder frag im Kindergarten nach, was gerade beliebt ist.
Und wenn dein Kind heute Abend nicht zuhören will
Zwing es nicht. Leg das Buch weg, kuschelt euch nur so aufs Sofa. Vielleicht kommt es morgen von selbst und will wissen, wie die Geschichte weitergeht. Vielleicht dauert es noch ein halbes Jahr, bis Bücher „klicken". Beides ist okay.
Was zählt: Bücher sind bei euch zuhause vorhanden. Sie werden benutzt, angefasst, angeschaut. Und du liest selbst, sichtbar für dein Kind. Das ist die stärkste Botschaft. Alles Weitere folgt seiner eigenen Zeit.
Schule & Bildung
Mein Kind, sein Smartphone & Ich
Diese Entwicklung hat ihre Vorzüge, aber gleichzeitig bringen Experten einen übermäßigen Konsum von Bildschirmmedien in Verbindung mit auffälligen Verhaltensweisen bei Kindern, die viel zu früh auftreten.