Die meisten dieser Konzepte kreisen um dieselbe Grundidee: dass eine sichere Bindung zwischen Eltern und Kind entscheidend für eine gute Entwicklung ist. Diese Idee geht auf die Bindungstheorie der Mitte des 20. Jahrhunderts zurück, die davon ausging, dass Kinder eine verlässliche, feinfühlige Bezugsperson brauchen. Daraus entwickelten sich in den USA das Attachment Parenting mit seinem Fokus auf Stillen, Tragen und Familienbett, im deutschsprachigen Raum die Bedürfnisorientierung mit ihrem Fokus auf Augenhöhe – und zuletzt, über TikTok, das Gentle Parenting.
Was viele Eltern nicht wissen: Ein großer Teil dieser populären Praxis-Empfehlungen ist wissenschaftlich deutlich weniger abgesichert, als es die Ratgeberliteratur suggeriert. Die Ursprungsstudie zur Bindungstheorie basierte auf 26 Familien – nach heutigen Standards eine sehr kleine Stichprobe. Für viele konkrete Praktiken, etwa langes Stillen oder das Familienbett, gibt es bislang keinen belastbaren Nachweis, dass sie tatsächlich zu einer sichereren Bindung führen. Erziehungswissenschaftler wie Ulf Sauerbrey von der Universität Erfurt sprechen offen von einer riesigen Forschungslücke, was die tatsächlichen Effekte einer kindzentrierten Erziehung im Alltag betrifft.
Was Forschende hingegen tatsächlich mit einiger Sicherheit sagen können: Kinder profitieren von einem sogenannten autoritativen Erziehungsstil
ArtikelGemeinsamer Spaß bringt mehr für die Schule als BildungsdruckFür all‘ jene Eltern, die verbissen versuchen, die Schulleistungen des Nachwuchses zu kontrollieren und zu optimieren, gibt es nun eine erlösende Einsicht: Viel besser für die Lernmotivation der Kinder sind gemeinsame kulturelle Unternehmungen und em – also einer Kombination aus klaren Grenzen und viel emotionaler Wärme. Das ist an keine bestimmte Marke, kein bestimmtes Buch und keine bestimmte Influencerin gebunden.