Die Experten des VDBD betonen, dass diese Vorteile auch für Frauen mit Diabetes mellitus Typ 1 oder Gestationsdiabetes und deren Kinder gelten sollten. Allerdings kann ein Diabetes Typ 1 das Stillen von Anfang an erschweren. Oftmals tritt der Milcheinschuss verzögert ein, oder es ist eine Zufütterung aufgrund einer nachgeburtlichen Unterzuckerung des Kindes erforderlich. Manchmal werden Mutter und Baby auch aufgrund einer notwendigen Verlegung des Neugeborenen in eine Kinderklinik getrennt, was das Stillen zusätzlich erschwert.
Besonders bei Frauen mit Gestationsdiabetes zeigt sich, dass das Stillen das Risiko für die Entwicklung von Diabetes Typ 2 verringern kann. Jährlich wird bei etwa jeder zehnten Schwangeren die Diagnose "Gestationsdiabetes" gestellt, eine Störung der Blutzuckerverarbeitung, die erstmals während der Schwangerschaft auftritt. In den Folgejahren entwickeln fast zwei Drittel der insulinpflichtigen Frauen mit Gestationsdiabetes einen Typ-2-Diabetes. Übergewichtige Frauen sind dabei besonders gefährdet. Studien haben gezeigt, dass Frauen mit Gestationsdiabetes ihre Stoffwechsellage verbessern können, wenn sie nach der Geburt ihre Babys stillen. Je länger sie mit Muttermilch versorgt werden, desto größer ist die Reduzierung des Risikos für einen manifesten Diabetes mellitus Typ 2. Das Diabetesrisiko kann durch das Stillen um mehr als 40 Prozent gesenkt werden, wodurch sich die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes um etwa 10 Jahre verzögern lässt. Dies liegt unter anderem daran, dass die Milchproduktion und die damit verbundene Serotoninfreigabe das schnelle Wachstum von Beta-Zellen anregen und so die Insulinproduktion fördern. Stillende Frauen mit Gestationsdiabetes haben daher niedrigere Blutzuckerkonzentrationen im Vergleich zu nicht-stillenden Diabetespatientinnen. Zudem trägt das Stillen zur Gewichtsnormalisierung der Mutter nach der Entbindung bei, da es Energie verbraucht.